Erfunden hat ihn der Führer vor vier Jahrzehnten: den Volkswagen für alle Deutschen. Zwar mußten sie lange auf ihr Auto warten, das erst Kriegsdienst zu leisten hatte. Doch dann lief und lief und lief der VW – freilich nur bis zu jener Grenze kurz hinter seinem Geburtsort Wolfsburg, an der sich 1945 der Kommunismus eingegraben hatte. Jetzt dürfen 10 000 VW Golf die deutsch-deutsche Trennlinie überqueren – ein kleines Geschäft für den Konzern, ein symbolischer Schritt für die eine, die deutsche Nation, deren Existenz Ostberlin schon so lange leugnet.

Wieder einmal erweist sich die Gemeinsamkeit als stärker denn die Ideologie. Hüben wie drüben ist das Auto des echten Deutschen liebstes Kind, mag er auch drüben das Dreifache dessen bezahlen müssen, was hüben verlangt wird. Das Geld ist da; auch die anderen Deutschen sparen ja, es fehlte bloß an Automobilen.

So wird allen Glück zuteil. Der eine kann verkaufen, der andere sich einen Wunsch erfüllen; die Nation aber stärkt sich per Kompensationsgeschäft. Auch wenn das volksverbindende Auto nun "Golf" heißt, so stammt es doch von VW. So gilt für alle Insassen in beiderlei Deutschländern: Hier drin bin ich Volk, hier darf ich’s sein. H.B.