Das ganze Ausmaß der Diätenerhöhung, die sich der Bonner Bundestag im vergangenen Jahr verordnet hat, wird erst so recht im kommenden Haushaltsjahr deutlich. 1978 ist nämlich das erste volle Diätenjahr nach der Neuregelung.

1976 lagen die gesamten Ausgaben für die Abgeordneten noch bei 96 Millionen Mark. In begrenztem Ausmaß trugen die Abgeordneten damals auch noch zu ihrer Alterssicherung selbst bei – mit 6,1 Millionen Mark. Im kommenden Jahr werden die Ausgaben auf rund 122 Millionen Mark klettern. Dabei untertreibt diese Rechnung sogar noch. Die Ausgaben für die Altersversorgung der Parlamentarier tauchen im Haushaltsplan nämlich nicht auf.

Versicherungsmathematisch entstehen dafür jährlich Kosten von mindestens 20 Millionen Mark. Die tatsächlichen Aufwendungen für die Abgeordneten erhöhen sich auf 142 Millionen Mark. Damit kostet jeder Abgeordnete etwa 270 000 Mark im Jahr, runde 100 000 Mark mehr als 1976. Das war dann doch ein kräftiger Schluck aus der Pulle...

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Dietrich Rollmann, rühriger Lobbyist des Bundesverbandes der freien Berufe, ging mit dem FDP-Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, Horst-Ludwig Riemer, in den Clinch. In dem von Rollmann neu redigierten Hausblatt "der freie beruf" griff "Didi" (Spitzname von Rollmann) Minister Riemer hart an. Zielscheibe war die Mittelstandsförderung in NRW, für die Riemer verantwortlich ist.

Seit 1976 bietet Riemer mittelständischen Firmen "Technische Beratung" durch beamtete Fachhochschullehrer an – auf "Kosten des Ministers". Rollmann dazu: "Hier betreibt ein Bundesland Mittelstandsförderung auf Kosten des beratenden Mittelstandes", der hier um seine Aufträge gebracht wurde.

Rollmann, Hauptgeschäftsführer seines Verbandes, meint, Riemers Förderungsprogramm diene zur Förderung der Nebentätigkeit von Landesbediensteten: "Wenn es Herrn Riemer wirklich um Mittelstandsförderung ginge, dann würde er die Technische Beratung NRW nicht durch Beamte, sondern durch gewerbliche oder freiberufliche Berater durchführen lassen."