Von Alexander Rost

Ein Cheyenne-Krieger, der später wie Dutzende von Beteiligten interviewt wurde, erinnerte sich: "Es schien, als ob in der ganzen Welt Friede und Glück herrschten und als ob nirgendwo irgend jemand auf den Gedanken kommen könnte, die Hand gegen einen Mitmenschen zu erheben." Sioux und Cheyenne hatten ihre Wigwams am Little Bighorn, einem idylischen kleinen Fluß, aufgeschlagen. Es war der 25. Juni 1876, ein Sommersonnentag, der Sentiments sprießen ließ.

Einen halben Tagesritt entfernt, hatte das 7. US-Kavallerieregiment, das durch Montana streifte, die Meldung eines Spähtrupps erhalten. Der Hornist blies den Offiziersruf. Nicht ohne Pathos in der Wortwahl gab der Kommandeur bekannt: "Vor uns liegt das größte Indianerlager auf dem nordamerikanischen Kontinent, und ich werde es angreifen." Am Abend war er tot. Mit ihm starben 225 Soldaten. Fast dreitausend indianische Krieger, von denen vierzig fielen, überlisteten und schlugen 611 Mann; taktisch leichtsinnig war die Truppe geteilt und nicht vollzählig in den Kampf geführt worden.

Diese "Schlacht am Little Bighorn", nach modernem Militärverständnis nur ein Gefecht, damals aber, noch für den letzten Zeitungsleser an Amerikas Ostküste, ein ungeheures Ereignis, hat man hundertfach beschrieben, analysiert, kommentiert; und jeder weitere Satz darüber, mag man meinen, sei nur Nachgeplapper. Doch den Stapel der Little-Bighorn-Literatur, hoch wie ein. Totempfahl, stellt jetzt ein einziges Buch in den Schatten:

Stephen E. Ambrose: "Der Häuptling und der General", aus dem Amerikanischen von Ulla de Herrera; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1977; 444 S., 29,80 DM.

Der General ist George Armstrong Custer, geboren 1839. Er kommandierte jenes Regiment, das im Indianerkrieg, der eine Polizeiaktion des weißen Mannes war, die schwerste Niederlage erlitt. Der Häuptling ist Crazy Horse, geboren 1841. Er war der Stratege der Sioux.

Die Schlacht, die sie schlugen, war eine Station auf dem kurzen American way der Historie zum Mythos, wie ihn vor allem der Film sinnfällig machte. Der erste in einer Reihe von Spielfilmen über Custers last stand wurde schon 1909 gedreht, der wichtigste hatte 1947 Premiere: John Ford, der Regisseur, der Stars and Stripes stets stolzer wehen ließ als jeder sonst in Hollywood, nutzte die Story vom Little Bighorn, um kurz nach Kriegsende von der Moral der Geschichte überhaupt zu erzählen.