Jeder kleine Ferienfleck hat mittlerweile seinen Trimm-Dich-Pfad, die Angebote für sogenannte Sport- und Aktivurlaube häufen sich und der neue Berufsstand der Animateure, kreiert wider des Gastes Trägheit, soll demnächst mit medizinischer Spezialausbildung geadelt werden.

Kaum zu glauben, daß dennoch rund neunzig Prozent der Urlauber ihre Ferien lieber faulenzenderweise verbringen. Und jene zehn Prozent, die sich zu sportlichem Tun aufraffen, gehen dabei offenbar recht ungeschickt und oft unkundig zu Werk, wenn man einem Kreis von Aktivitätsexperten glauben darf, die sich jetzt in Hamburg zu einem Symposion trafen: Allein 700 000 Skiunfälle soll es jedes Jahr in den europäischen Wintersportgebieten geben.

Gebrochene Beine erhöhen nun gewiß nicht die Urlaubsfreude. Vor allem die betroffenen Arbeitgeber und die Krankenkassen sind von solcher Unbill wenig begeistert. Es kann ja sogar noch schlimmer kommen: Der Ungeübte, der beim Tiefseetauchen in der Karibik plötzlich in Panik gerät oder der Pensionär, der beim Tennisspielen in der Mittagshitze einem Herzschlag erliegt. Der müde-resignierte Blick der Bernhardinerhunde und die ärgerlichen Bemerkungen der Bergwacht sind allgemein bekannt. Neu sind dagegen die Warnungen der Ärzte und Krankengymnastinnen vor den Trimm-Dich-Pfaden – vor einigen Jahren noch vielgerühmt, von den Gemeinden mühsam finanziert.

Was tun? Untätigkeit schadet, Überforderung ebenfalls. Es wird also höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: den Kreislauf des Urlaubers anzukurbeln, ihn aber nicht zu überlasten. Schließlich sollen die jährlichen drei Wochen Urlaub dazu dienen, während der restlichen 49 gesund und munter durchzuhalten.

Vorsicht und medizinische Betreuung im Urlaub selbst genügen da nicht. Sportliche Vorbereitung heißt jetzt die Devise, mindestens ein Vierteljahr vor Ferienbeginn soll die sportive Präparation einsetzen; dazu bieten sich vor allem Laufen, Schwimmen und Radfahren an. Die frühen Ladenschlußgesetze motivieren zum Laufen, Infektionen kann man sich schließlich auch außerhalb der Schwimmbäder holen und Benzinpreise wie Parkprobleme zwingen geradezu aufs Fahrrad. Und außerdem rennt ein. ordentlicher deutscher Urlauber nicht ohne Einübung in sein Vergnügen. Auf diese Weise konditionsgestählt, kann er sich dann getrost einem der mannigfaltigen Fitneßurlaube hingeben.

Für besonders Verantwortungsbewußte ist damit, das Training allerdings noch nicht abgeschlossen. Der im Urlaub (hoffentlich). zum Höhepunkt geführte Spaß an der körperlichen Ertüchtigung soll im Arbeitsalltag nun nicht abrupt abgewürgt werden. Es folgt der "Nachurlaub" mit heimischem "Nachtraining" – denn: die nächsten Ferien kommen bestimmt!

Monika Fresenius