Von Wilfried Kratz

Die britischen Fischer und ihre Organisationen sind davon überzeugt, daß den continentals einfach nicht zu trauen ist. Die vorherrschende Auffassung sieht ungefähr so aus: Erst haben die Nordsee-Anrainer von Frankreich bis Dänemark ihre eigenen Fanggründe leergefischt, dann nehmen sie den Briten die Fische aus ihren traditionellen Gewässern weg und schließlich fischen sie auch noch in aller Eile die EG-Quoten in Gewässern von Drittländern aus, bevor die Boote aus Hull oder Aberdeen eine Chance haben, dort ihre Netze auszuwerfen. Der perfide Kontinent fischt mit zu engen Netzen die Gewässer leer, vernichtet damit die Fänge der Zukunft und vertuscht die wahren Fangergebnisse. Das korrekte Albion hat das Nachsehen.

Nur eine exklusive 50-Meilen-Zone mit einer nationalen Konservierungspolitik könnte das Überleben einer britischen Fischereiwirtschaft sicherstellen. Ein Quotensystem, so ein Sprecher der Industrie, "kann einfach nicht funktionieren. Das hat die Erfahrung gezeigt. Was hat es für einen Sinn, einen Kuchen aufzuteilen, der nicht mehr da ist?"

Die Gemüter der britischen Hochseefischer erhitzten sich jüngst, als sie glaubten, daß die 55 000 Tonnen Kabeljau, die Norwegen innerhalb seiner 20 Meilen den EG-Fängern freigegeben hatte, vom "Kontinent" weggeschnappt worden seien. Insbesondere die Franzosen wurden unziemlicher Hast beschuldigt. Schließlich wurde noch einmal nachgerechnet, und die Norweger akzeptierten, daß noch 2650 Tonnen von der EG-Quote übriggeblieben waren. Davon wurden den Briten 1100 Tonnen zugeteilt. Eine "erbärmliche Ziffer", jammerte ein Sprecher der britischen Fischer, die nun dabei sind, den Fang einzubringen.

"Gemeinsame Fischereipolitik" riecht für die Fischer auf der Insel nach schlechtem Geschäft. Eine Quotenregelung, der sie ohnehin zutiefst mißtrauen, wirft sie nach ihrer Meinung unangemessen hinter die EG-Fischer zurück. Sie bedeutet Arbeitslosigkeit in den Fischereihäfen von Grimsby in England wie Peterhead in Schottland. Sie bedeutet Verknappung und Verteuerung der Fische für die britische Hausfrau.

Die Briten werden mit dem Schreckgespenst geängstigt, eine britische Institution, die fish and chips-Läden, würde es künftig nicht mehr geben, wo Millionen Briten ihren Bratfisch und Pommes frites, in Zeitungspapier gewickelt, als festen Bestandteil des täglichen Speisezettels kaufen.

Durch eine solche Popularisierung der Angelegenheit versucht die Fischerei-Lobby, öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung für ihre Sache zu gewinnen. Auf volkswirtschaftlicher Ebene fällt ihr die Argumentation schwer; denn die Fischerei spielt für die britische Wirtschaft nur eine winzige Rolle. Anders sieht die Sache jedoch in den betroffenen Häfen aus. Hier ist der Fischfang ein Politikum. In Schottland haben sich denn auch die Nationalisten der Fischereifrage angenommen.