Überraschend gut

"Hartmut Kiesewetter präsentiert: Die schönsten Weihnachtslieder aus fünf Jahrhunderten". Schon nach den ersten beiden Liedern hat man den Werbe-Superlativ vergessen und fühlt sich wohl: ein Kammerchor, der seinen Ehrgeiz nicht hervorkehrt, der den Liedern keinen falschen Glanz aufsetzt, der den homogenen Chorklang durch kein solistisch tuendes Vibrato stört, der den Spaß an diesen Liedern und beim Singen nicht an den Liedern ausläßt, also nichts forciert, sondern seine Fröhlichkeit gelassen ausdrückt. Es hört sich natürlich an, "echt". (Collegium Musicum Saarbrücken, Leitung: Wendelin Müller-Blattau; Polydor 2371 853; MC 3150 853)

Manfred Sack

Hervorragend

"Geistliche Musik der Bach-Familie". Vier Generationen von Kantoren, Hoforganisten, städtischen Musikdirektoren und freischaffenden Künstlern. Zwischen der Trauermusik "Unser Leben ist nur ein Schatten", um 1660, von Johann Bach aus der Erfurter Linie und dem "Vater unser", etwa 1810, des Wilhelm Friedrich Ernst Bach, eines Sohnes des "Bückeburger" Bachs, hat die evangelische Kirchenmusik mehrere stilistische Sprünge gemacht, haben Pietismus die lutherische Strenge und die Profanierung die gläubige Askese überwunden, hat die Monodie sich ausgebreitet, wurde der Affekt eingeschleust, überwucherte das Sentiment die Theologie, ist eine Gattung ihrem eigenen Kleinmut zum Opfer gefallen. Die Entwicklung ist auf fünf Langspielplatten dargestellt. Eine sinnvolle, ja auch notwendige Anthologie, stilistisch sauber erarbeitet und technisch gilt produziert – eine verdienstvolle Edition also, die um so mehr Erstaunt hervorruft und Zustimmung verlangt, als ausgerecht net eine der kleinsten Plattenfirmen sich das Risiko leistete. Es sollte nicht vergeblich sein. (Solisten, Gächinger und Frankfurter Kantorei, Indiana Universitäts-Kammerchor, Stuttgarter Bach-Collegium, Leitung: Helmuth Rilling; Laudate 91 511; Hänssler-Verlag, Neuhausen-Stuttgart)

Heinz Josef Herbort

Besser nicht

Lol Creme/Kevin Godley: "Consequences". Dieses Triple-Album von Lol Creme und Kevin Godley – ehemals Keyboard-Virtuose beziehungsweise Schlagzeuger des britischen Quartetts 10 cc – ist ein aufgeblasenes Spektakel, das einer rein mechanisch wirkenden Verzerrer-Apparatur – dem "Gizmo" – als verkaufsförderndes Argument dienen sollte. Zwar wurde auch der Synthesizer in der Popmusik anfangs in ähnlich absurder Weise als ein akustische Effekte erzeugendes Instrument eingesetzt, hier jedoch wird den Fingerübungen am Gizmo ein beinahe Heideggerscher Tiefsinn unterlegt (Mercury 6641 658) Franz Schöler