Vielleicht haben sie einfach zuviel James Bond gelesen: Reinhard Gehlen, der erste Chef des Bundesnachrichtendienstes, der seine Memoiren "Der Dienst" betitelte und darin stramm alles leugnete, was ihm angekreidet werden muß – gesetzwidrige Inlandsaufklärung, Einkrümmung des BND auf einen sterilen Antikommunismus, Unterwanderung und Zerschlagung des Pullacher Ost-Apparates; aber auch Günther Nollau, 1972 bis 1975 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der jetzt seine Erinnerungsfähigkeit und sein Ausschnitt-Archiv unter dem Titel "Das Amt" vermarktet und dabei jede Verantwortlichkeit für die Guillaume-Krise abstreitet, die Willy Brandt in den Rücktritt trieb.

Die Details sind bei Nollau nicht minder unerquicklich als bei Gehlen. Vor allem aber: Das Ganze ist gleichermaßen peinlich, kommentwidrig, degoutant. Die Herren, die da von Berufs wegen schnüffeln müssen (und das sei beileibe nicht gegen sie gehalten) – sie sollten den kommunen Anstand besitzen, dann doch wenigstens zu schweigen bis in ihr kühles Grab. Wenn es sie schon drängt, ihre Version der (Un)wahrheit zu Protokoll zu geben, so mögen sie das Manuskript gefälligst mit dem Vermerk versehen: "Erst nach meinem Tode zu veröffentlichen."

Präsidenten sind nicht überbezahlt in der bundesdeutschen Hierarchie, gewiß. Aber es muß auch keiner Präsident werden; schon gar nicht beim Bundesnachrichtendienst oder beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Ein Sprungbrett für Memoirenschreiber dürfen diese beiden Posten zumindest nicht werden. Wer das nicht akzeptieren will, sollte von vornherein verzichten. Der politischen Peinlichkeiten haben wir in unserem Lande genug. Wenigstens sollten wir den Indiskretionen von altweiberhaft geschwätzigen Ex-Beamten einen Riegel vorschieben. Ein Minimum an Preußentum muß da schon sein. Th. S.