Herbert Wehner benutzte die Zahl wie Juckpulver. Er streute sie zwischen die schönsten Deklamationen der Opposition. Sprach der Abgeordnete Marx davon, daß die Union den unveräußerlichen Menschenrechten zum Durchbruch verhelfen wolle, trompetete der SPD-Fraktionschef dazwischen: "195 Stimmen!" Redete Marx darüber, daß es "in diesem Hause eine Partei, nämlich die Christlich Demokratische Union, gibt, die für die Verwirklichung der Menschenrechte ... ihre Pflicht tut", fetzte Wehner dazwischen: "195 Stimmen, mehr nicht!"

Diese 195 Stimmen hatte die Opposition am 11. November zusammengebracht, als sie in einer namentlichen Abstimmung versucht hatte, ihre Menschenrechtsdokumentation zur Bundestagsdrucksache zu machen, um sie besser in der internationalen Politik verwenden zu können. Zur Opposition gehören 243 Abgeordnete, etwa jeder Fünfte von ihnen hatte also die Abstimmung geschwänzt.

Der Zorn über diese Disziplinlosigkeit brodelte in der Union gewaltig und hörbar. Die resolute Abgeordnete Paula Riede schlug vor, wer künftig unentschuldigt fehle, müsse ein gesalzenes Bußgeld zahlen, ja, es war sogar davon die Rede, daß die Sünder zwecks Vorführung ihrer Lasterhaftigkeit an die Kreisverbände gemeldet werden sollten.

Inzwischen wird die Suppe nicht mehr ganz so heiß gegessen, wie sie gekocht wurde. Wer fehlt, soll vorher Laut geben.

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Was bedeutet ein Händedruck? In Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung versuchte der Bundestag diese Frage zu ergründen. Die diplomatisch-ironische Antwort gab Staatsminister von Dohnanyi: "Der deutsche Botschafter in Santiago hat dienstlich versichert, daß er dem CSU-Vorsitzenden (Strauß) nicht gratuliert, sondern ihm nach seiner Ansprache lediglich die Hand gegeben habe."

Den Scherz lieferte Jahn (SPD), der fragte, "ob der Botschafter etwas zu spät zu dem Vortrag von Herrn Strauß gekommen ist, so daß er keine Gelegenheit hatte, ihm vorher rechtzeitig die Hand zu schütteln?" Dohnanyi bestätigte es.