Seit Ende 1976 ist das Kernkraftwerk Unterweser bei Esenshamm (Niedersachsen) technisch betriebsbereit, doch noch hat es kein Watt Leistung in das Elektrizitätsnetz abgegeben. Erst am vergangenen Montag hat vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg jenes Verfahren begonnen, in dem über hundert Kläger die sieben atomrechtlichen Teilerrichtungsgenehmigungen und die drei wasserrechtlichen Teilgenehmigungen anfechten.

Über den Ausgang läßt sich nur spekulieren; ebensowenig sind Aussagen über die Dauer des Verfahrens möglich. Die gewiß bewegende Überlegung, ob ein fertiges Werk zum ewigen Stillstand verurteilt werden kann, interessiert hier nur am Rande. Aufmerksamkeit verdient vor allem die Frage, ob Esenshamm nicht die Revisionsbedürftigkeit des bislang praktizierten Genehmigungsverfahrens beweist.

Sicher gibt es gute Gründe, den Bau eines Kernkraftwerkes nur Schritt für Schritt zu erlauben und damit sicherzustellen, daß jeweils die neuesten Erkenntnisse aus Wissenschaft und Technik berücksichtigt werden. Aber können wir es uns wirklich leisten, im nachhinein über ein Projekt zu befinden, das schon Hunderte von Millionen Mark verschlungen hat? Dürfen wir Richtern die Verantwortung aufbürden, unter Umständen ein Milliardenobjekt zur Fehlinvestition zu stempeln?

Wenn die Koalition meint, ohne Kernkraft gehe es nicht, dann sollte sie schleunigst Änderungen beschließen: zuerst diskutieren und notfalls durch sämtliche gerichtlichen Instanzen über alles streiten – dann bauen. H. B.