Ferdinand le Radical heißt er in Frankreich, und ein Radikaler (im nicht-öffentlichen Dienst) ist er in der Tat: der Werkschutz-, Chef Ferdinand Rieche (Heinz Schubert), den sein Schöpfer Alexander Kluge einen "Kletteraffen der Vernunft" nennt. Rieches Geschäft ist die Sicherheit, und er betreibt es so rigoros, daß letztlich das Gegenteil entsteht: ein paranoides Chaos aus Denunziation, Lausch-Angriffen und präventiver Sabotage. Zum bösen Schluß schießt Rieche, der "gebremste Könner", der den "Ernstfall" braucht, um sich bewähren zu können, auf einen Bonner Minister: nur um zu demonstrieren, wie dringend seine Dienste benötigt werden. – Seit Kluges brillante Satire "Der starke Ferdinand" im Mai 1976 zum ersten Mal in unsere Kinos kam (damals von den Auswirkungen eines Drucker-Streiks behindert), hat sich einiges in der Bundesrepublik ereignet, was dem Film eine makabre Aktualität sichert; die Affäre Traube, die Sicherheits-Hysterie nach den Morden an Buback, Ponto und Schleyer. Um so überzeugender wirkt in diesem kalten Herbst das lustvolle Lehrstück eines entschiedenen Demokraten. Nach vielen Diskussionen mit Zuschauern (vor allem im Ruhrgebiet) hat Kluge eine neue Version des "Starken Ferdinand" hergestellt, die um zehn Minuten kürzer und um einiges grimmiger, rauher und (überhaupt nicht schadenfroh) komischer ist. Jetzt im Kino! Hans C. Blumenberg