Sehenswert

"Der Mann, der die Frauen liebte", von François Truffaut, der in der Frühzeit der Nouvelle Vague einmal gesagt haben soll, Kino sei die Kunst, mit hübschen Mädchen hübsche Sachen anzustellen. Nun ist Truffaut alles andere als ein männlicher Chauvinist, und so sehen denn auch die Abenteuer des Mannes, der die Frauen liebte und dabei zu Tode kam, keineswegs wie die augenzwinkernden Eskapaden eines gallischen Schürzenjägers aus. Bertrand Morane, vierzig Jahre alt, Ingenieur in Grenoble, jagt einem unmöglichen Traum nach. Jede Frau könnte die ideale Gefährtin sein, also verliebt er sich in jede, mit einer Entschlossenheit, die an die "amour fou" von Truffauts "Adele H." erinnert So bleibt dieser mit diskreter, fast anstrengungslos erscheinender Eleganz inszenierte Film bei aller vordergründigen Heiterkeit und Verspieltheit das Dokument einer Obsession – wie so oft bei Truffaut, dessen jüngste Liebeserklärung an die Frauen bei allen Vorzügen einer handwerklich perfekten Inszenierung allerdings nicht zu seinen Hauptwerken gehört Hans C. Blumenberg

Beachtlich

"Jabberwocky" von Terry Gilliam. Chaos in Britanniens finsterstem Mittelalter: Der "Jabberwock", ein Monster, einst der Phantasie des Schriftstellers Lewis Carroll ("Alice im Wunderland") entsprungen, verwüstet das Königreich. Terry Gilliam, Mitarbeiter der englischen Komiker-Gruppe "Monty Python" ("Die Ritter von der Kokosnuß") und beteiligt an vielen Marty-Feldman-Shows, hat ein makaber-heiteres Historienspektakel inszeniert. Wild, aber planvoll jongliert die Regie mit Versatzstücken aus Monster- und Katastrophenfilmen, mit Entwicklungsroman-Mustern und Kapitalismus-Kritik. Vor allen Dingen aber regiert der schwarze Humor: Die Darstellerriege setzt sich fast ausschließlich aus britischen Top-TV-Komikern zusammen. Gilliam mixt rigoros die unterschiedlichsten Spiel- und Stilarten spezifisch britischer Komik aus mehreren Generationen zu einem lustbetonten, phantasievollen Kostümkino, das intelligent unsere Gegenwart spiegelt Bodo Fründt

Folkloristisch

"Wenn die Zigeuner ziehen" von Emil Loteanu. Im 70-mm-Super-Breitwand-Format und 6-Kanal-Stereoton ziehen in dieser aufwendigen Produktion der sowjetischen "Mosfilm"-Studios die Zigeuner durch die Weiten der Steppe, stolz verwegene Pferdediebe die Männer, glutäugige, schwarze Hexen die Frauen. Wo immer sich Zigeuner treffen, fließt der rote Wein in Strömen, blitzen aber auch die Messer und wird vor allen Dingen viel gesungen. Die Liebesgeschichte zwischen dem Pferdedieb Sobar und der schönen Radar dient Regisseur Loteanu vornehmlich als Aufhänger für breit ausgewalzte folkloristische Musikszenen. Auf dem Film-Festival von San Sebastian gewann der anspruchslose bunte Bilderbogen 1976 den ersten Preis, die Goldene Muschel. In unseren Kinos, in denen selten genug Filme aus Osteuropa zu sehen sind, sollte dieses exotische "Heimatfilm"-Musical nicht darüber hinwegtäuschen, daß in der UdSSR auch weitaus interessantere und aktuellere Filme produziert werden.

Bodo Fründt