Wie kann man ein delikates Menü zaubern, auch wenn die räumlichen und finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind? Kann man auch ohne perfekt eingerichtete Küche und ohne großzügig gefüllte Vorratsschränke wohlschmeckende, abwechslungsreiche und nahrhafte Speisen auf den Tisch bringen? Die Antwort auf diese Koch- und Küchenprobleme gibt das

Kochbuch für junge Leute, ausprobiert und aufgeschrieben von Julia Brauner und Annette Elges, Verlag Wolf gang Hölker, 105 S., 25,– DM.

Das im ganzen gelungene Buch beginnt mit einer Übersicht über die notwendigsten Küchengeräte, die selbst in der kleinsten Kochnische Platz finden. Der Inhalt ist nicht, wie üblich, nach Speisearten geordnet, sondern die Rezepte werden jeweils für eine bestimmte Alltagssituation ausgewählt dargeboten. Da geht es von "Aller Anfang ist schwer" über die "Üppigen Tage im Monat" und "Am Monatsende oder bei Tiefstand in der Kasse" bis zu "Kleinen Festen ohne besonderen Anlaß". Es ist also für den Kochbuchbenutzer einfach, kurz die eigene "Kochsituation" zu überdenken und dann unter der entsprechenden Überschrift das Passende herauszusuchen.

Die Rezepte zeichnen sich durch Einfachheit in der Zubereitung und durch die breite Auswahl (vom Kartoffelbrei bis zum Cordon bleu) aus. Alle Zutaten sind für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Übrigens haben die Verfasserinnen auch Halbfertig- und Fertigprodukte als Zutaten mit aufgenommen, was die Zubereitung der Speisen zusätzlich erleichtert. Das Buch ist reich an praktischen Tips wie an kulinarischen Hinweisen: So findet man bei jedem Gericht die Empfehlung für die entsprechende Beilage, deren Rezept dann ebenfalls abgedruckt ist.

An Vorkenntnissen in Kochdingen wird nicht viel vorausgesetzt. So wird erwähnt, wie lange man Kartoffeln kochen muß und wie lange Eier, wenn man sie nachher weich oder hart essen will. Auch fehlt nicht der wichtige Hinweis, daß Reis beim Kochen um das Dreifache aufgeht. Dennoch fühlt man sich durch solche Angaben keineswegs als unwissender Anfänger betrachtet.

Das Buch ist durch nette Zeichnungen aufgelockert. So findet man jeweils am Anfang eines Kapitels eine treffende und witzige Karikatur, die dann auf dem oberen Rand jeder Seite verkleinert als graphisches Kennzeichen und als Orientierungshilfe wieder auftaucht. Ebenso werden wichtige Küchentips teilweise durch einfache und einleuchtende Zeichnungen illustriert.

Kritisch bleibt anzumerken, daß die Autorinnen einzelne Rezepte nicht sorgfältig genug bearbeitet haben. Bei der Zubereitung von Kartoffelpuffern bleibt am Ende unklar, was man mit den unter den Zutaten aufgeführten Zwiebeln anfangen soll, bei der Herstellung von Nußtrüffeln steht man vor dem gleichen Problem mit dem Puderzucker. Sehr schade ist auch, daß bei den Gerichten die Kalorien- und Jouleangaben fehlen. Besonders vermißt man jedoch ein Register der Rezepte, und der Preis, von 25 Mark für 100 Seiten Kochbuch erscheint mir viel zu hoch. Alles in allem jedoch bietet das "Kochbuch für junge Leute" die Möglichkeit zu angenehmem, weil einfachem und modernem Kochen für alle, die erst seit kurzem in der Küche auf eigenen Füßen stehen.

Hannelore Mähl