Geschehen ist folgendes: Die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hat eine Erklärung des Inhalts veröffentlicht, daß sie ihre zuständigen Minister beauftragt habe, sicherzustellen, "daß die Auslandsgeschäfte der Westdeutschen Landesbank ... unter Beachtung der dem Vorstand vorbehaltenen Aufgaben so beaufsichtigt und überprüft werden, daß die mit der Auslandsbetätigung der Bank verbundenen Risiken des Landes als des Hauptgewährträgers der Bank jederzeit im wesentlichen überblickt und erforderlichenfalls begrenzt werden könne".

Zwei Tage später hat die Landesregierung – wiederum öffentlich – erklärt, Gegenstand der Regierungskritik sei weder das Auslandskonzept der Bank noch der Kauf eines Grundstücks für ihre Londoner Niederlassung gewesen. Die Regierung wünsche vor allem, "daß für die Prüfung der Auslandsgeschäfte und zur Vorbereitung der Entscheidungen, soweit sie überhaupt in die Zuständigkeit des Verwaltungsrats der Bank fallen, ein angemessener Zeitraum sichergestellt wird". Es liege im Interesse des Landes und seiner Wirtschaft, daß die Geschäftsleitung der Bank ihre Auslandsaktivitäten "in bewährter Weise fortsetze".

Wußten die Landesminister beim ersten Text nicht, was sie taten? Fünf Ministern (Finanzminister Halstenberg, Wirtschaftsminister Riemer, Landwirtschaftsminister Deneke, die Ministerin für Bundesangelegenheiten Donnepp, Innenminister Hirsch) und einem Staatssekretär (der Chef der Staatskanzlei Schnoor) dürfte dergleichen eigentlich nicht passieren. Schließlich ist es ein Unterschied, ob Mitglieder des aufsichtführenden Verwaltungsrats der Bank eine Prüfung, wenn nötig sogar eine Begrenzung der Auslandsrisiken verlangen, oder ob sie nur mehr Zeit für die ihnen obliegende Prüfung dieser Auslandsrisiken haben wollen.

Diesen Unterschied müssen sechs erwachsene Männer auch erkannt haben. Was sie offensichtlich nicht erkannt haben, war die Wirkung ihrer ersten öffentlichen Erklärung. Sie haben nämlich den Ruf einer Bank, die dem Land zu einem Drittel gehört, massiv geschädigt. Das Handelsblatt schrieb, das sei etwa "so, als ob Herr Flick öffentlich sagte, in seinem Laden gehe wohl nicht alles mit rechten Dingen zu". Obendrein haben sie die Geschäftspolitik des Vorstands, unter seinem Vorsitzenden Ludwig Poullain desavouiert. Schon am übernächsten Tag spürte die Bank Rückschläge im Auslandsgeschäft. Viele Auslandskunden fragten: "Was ist denn bei euch los?"

Auch Minister haben Anspruch auf ein faires Urteil: Was sie angerichtet haben, war sicher nicht ihre Absicht. Aber was wollten sie wirklich? Ein ganzes Bündel von Motiven mag die Landesvertreter zum Handeln bewogen haben. Nach dem Skandal um die Hessische Landesbank, für dessen Bereinigung das Land Hessen eine Milliarde Mark und den Kopf des Ministerpräsidenten Osswald opfern mußte, sind die Gewissen der Landespolitiker geschärft. Aber in Düsseldorf gab es ja nicht den geringsten Anlaß für Mißtrauen. Schließlich haben die Herren Minister über die Auslandskredite der Bank im Verwaltungsrat selbst mitentschieden. Sie konnten allenfalls an ihrer eigenen Weisheit zweifeln.

Plausibler ist da schon der Wunsch des Landes, die Mehrheit im Verwaltungsrat in einem Handstreich an sich zu reißen. Dort sitzen die Vertreter der drei Gewährträger, die für die Verbindlichkeiten der Bank im Notfall einzustehen haben: je sechs des Landes Nordrhein-Westfalen, der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe und der rheinischen und westfälisch-lippischen Sparkassen- und Giroverbände.

Die beiden Landschaftsverbände – sie sind kommunale Zweckverbände zur Durchführung öffentlicher Investitionen – sind den Landespolitikern schon lange ein Dorn im Auge. Sie sind der Meinung, daß die Landschaftsverbände im Ernstfall für die Schulden der Bank nicht mit aufkommen könnten, weil sie überhaupt kein Eigenkapital haben. Beim Kampf um die Mehrheit des Landes im Verwaltungsrat treffen sich die kühlen Rechner unter den Landespolitikern mit jenen Ideologen in der SPD, die am liebsten alle Banken verstaatlichen möchten. Eine Änderung in der Zusammensetzung der Gewährträger ist nur durch ein Gesetz möglich. Deshalb will die SPD über eine Novellierung des Sparkassengesetzes die Landschaftsverbände ganz ausbooten. Die Bank gehörte dann dem Land und den Sparkassenverbänden je zur Hälfte.