Nicht nur der Dollar, auch der französische Franc hat in den letzten Wochen gegenüber der Mark viel Boden verloren. Letzte Woche bekam man an der Pariser Devisenbörse für eine Mark mehr als 2,23 Franc. So tief war die französische Währung noch nie gesunken.

Gewiß, an der Schwäche des Franc ist vor allem der Dollar schuld, der auf seinem Sturz Frankreichs Währung ein gutes Stück mitriß. Und im Verhältnis zum Dollar konnte der Franc seine Parität weitgehend halten. Doch sein Kniefall vor der Mark ist keineswegs ein plötzlicher Unfall: Allein für die letzten zwölf Monate beträgt die Abwertungsrate des Franc zur Mark schon sieben Prozent.

Frankreichs Exporteure werden wohl die letzten sein, die sich darüber beklagen. Der deutsche Überschuß im Handel mit dem Nachbarn ist so groß, daß ein Schritt in Richtung Gleichgewicht nicht schaden könnte.

Doch es wäre kurzsichtig, sich auf den Horizont der Händler zu beschränken. Für die Franzosen ist die Relation Franc–Mark stets auch ein Maßstab für das Kräfteverhältnis zwischen beiden Ländern. Im Wertzuwachs der Mark sehen sie stets auch ein untrügliches Zeichen für die wachsende Stärke der deutschen Industrie. Und solche Stärke wird von vielen als Bedrohung empfunden.

Dahinter steckt mehr als verletztes Selbstbewußtsein oder eine Trotzreaktion. Ziel französischer Politik (und damit auch seiner Wirtschaftspolitik) war stets die Wahrung weitgehender Unabhängigkeit. Zehnmal lieber sucht Paris nach einer "nationalen Lösung" seiner Probleme, als daß es sich an seine Partner wendete. Das Wort (multinational" ist eine Reizvokabel.

Auch an einer zweiten Komponente ihrer Politik werden die Franzosen stets festhalten: Am elementaren Bedürfnis nach einem Gleichgewicht in Europa. Für sie ist Wirtschaftspotential gleichbedeutend mit politischer Macht. Das deutsche Übergewicht sieht Paris zum Beispiel darin, daß die Bundesrepublik ihre Energieimporte mühelos aus den Ausfuhrerlösen finanzieren kann, während Frankreich jede Ölpreiserhöhung ein neues Milliardenloch in die Handelsbilanz reißt. Eine lückenhafte, aber zweifellos anschauliche Rechnung.

Sicher wird in Frankreich die deutsche Stärke oft übertrieben, von manchen bewußt mit dem Ziel antideutscher Stimmungsmache. Doch es liegt auch im deutschen Interesse, die französische Wirtschaft nicht noch weiter zu deklarieren, wie das mit einem Umtauschverhältnis zwischen Mark und Franc geschieht, das das Kräfteverhältnis nicht mehr realistisch wiedergibt.

Zweifellos ist der Franc gegenwärtig unterbewertet: Mit 220 Franc läßt es sich in Frankreich besser leben als mit 100 Mark in der Bundesrepublik. Zudem ist der psychologische Effekt des jüngsten Franc-Abfall bedenklich. Bundesbank und Banque de France kann man daher nur empfehlen: Haltet den Franc! Sonst ist eine neue Belastungsprobe für die nachbarschaftlichen Beziehungen nur eine Frage der Zeit.