Neue Öl- und Erdgasfunde stellen das Land auf eine gesündere finanzielle Basis

Die Erfolgsgraphik hängt im Arbeitszimmer des PR-Chefs. Die eine Linie weist seit 1974 nach unten und hört im Jahre 1977 ganz auf; sie gibt die Entwicklung der Importe für Raffinerie- und sonstige Erdölprodukte wieder. Die andere Linie wendet sich, nachdem sie sich jahrelang in unteren Regionen bewegt hat, 1977 plötzlich steil nach oben; sie gibt die Entwicklung der Exporte für die genannten Produkte wieder. Das Jahr 1977 wird daher im Hauptquartier der Petroleos Mexicanos (Pemex) in Mexiko City als entscheidender Wendepunkt für die Vereinigten Staaten von Mexiko betrachtet. Schon 1974 war aus dem Rohölimporteur ein Rohölexporteur geworden. Vom nächsten Jahr an ist das Land nur noch auf dem Felde der petrochemischen Produkte Nettoimporteur.

Ein Unternehmen, das die Leistungsbilanz eines Landes so entscheidend verbessert – innerhalb von drei Jahren wurden aus Nettoimporten von rund 300 Millionen US-Dollar Nettoexporte von 750 Millionen Dollar –, ist natürlich der Stolz des Landes. Die Pemex, von Anfang an voll in Staatshand, ist in Mexiko allgegenwärtig. Der Firmenname steht an jeder Tankstelle. Im Straßenverkehr rollen zahllose Firmenfahrzeuge, und am Rande des Flughafens von Mexiko City besitzt der Konzern ein eigenes Flugfeld für die firmeneigenen Maschinen. Ohne Flugzeuge hätte es ein Unternehmen mit weit auseinanderliegenden Produktionsstätten im drittgrößten Land Lateinamerikas unendlich schwer. Mexiko ist achtmal so groß wie die Bundesrepublik.

Im Verwaltungsrat des Unternehmens sitzen sechs Regierungsvertreter und fünf Gewerkschafter. Die Preise für die in Mexiko verkauften Produkte werden von der Regierung festgesetzt. Die Exportpreise richten sich nach den Marktbedingungen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kostete mexikanisches Erdöl 13,36 Dollar je Barrel. Rund ein Sechstel des jeweiligen Betriebsgewinns wird an die fast 90 000 Mitarbeiter ausgeschüttet, die auch sonst für mexikanische Verhältnisse nicht schlecht verdienen. Ein Facharbeiter erhält umgerechnet 15 400 Mark im Jahr, ein Meister 19 000 Mark. Der Rest des Betriebsgewinns bleibt im Unternehmen, der Staat bekommt nichts.

Mexiko ist nicht Mitglied des Ölkartells der Opec und hat auch nicht die Absicht, ihm beizutreten. Vertreter des Konzerns erklärten die Außenseiterrolle so: "Bei uns war die Situation von Anfang an anders als in anderen ölexportierenden Ländern. Hier gab es keine ausländischen Gesellschaften, die uns das Rohöl zu niedrigen Preisen abgekauft hätten. Seit der Gründung der Pemex im Jahre 1938 waren die Ölquellen immer fest in mexikanischer Hand."

Freilich hat das Unternehmen im Windschatten der Opec seine Exportpreise kräftig miterhöht. "Mit dem Ölpreisschock begann auch unsere Erfolgsstory", heißt es im Hauptquartier in Mexiko City. Denn nur durch die höheren Preise wurde die Erschließung neuer Ölfelder rentabel.

Das Rohöl ist der Qualität nach dem Arabian Light vergleichbar. 1976 förderte das Unternehmen im Durchschnitt 800 000 Barrels Rohöl pro Tag, 76 000 Barrels flüssiges Erdgas und zwei Milliarden Kubikfuß Erdgas pro Tag. Die Gesellschaft deckt damit 91 Prozent des gesamten mexikanischen Bedarfs an Primärenergie. Den Rest exportiert die Pemex außer in die USA nach Israel, Großbritannien, Uruguay, Japan und Kolumbien.