DIE ZEIT

Dienst, Amt, Job

Vielleicht haben sie einfach zuviel James Bond gelesen: Reinhard Gehlen, der erste Chef des Bundesnachrichtendienstes, der seine Memoiren "Der Dienst" betitelte und darin stramm alles leugnete, was ihm angekreidet werden muß – gesetzwidrige Inlandsaufklärung, Einkrümmung des BND auf einen sterilen Antikommunismus, Unterwanderung und Zerschlagung des Pullacher Ost-Apparates; aber auch Günther Nollau, 1972 bis 1975 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, der jetzt seine Erinnerungsfähigkeit und sein Ausschnitt-Archiv unter dem Titel "Das Amt" vermarktet und dabei jede Verantwortlichkeit für die Guillaume-Krise abstreitet, die Willy Brandt in den Rücktritt trieb.

Auftakt in Kairo

Zu Kissingers Zeiten ging es auf der Orientalischen Bühne anders zu. Damals pendelte der US-Außenminister von einer nahöstlichen Hauptstadt zur anderen und diktierte den Ereignissen souverän ihren Lauf.

Ausblutung

Seit diesem Sommer, in dem er seinen ersten Ausreiseantrag gestellt hatte, verharrte der DDR-Autor Hans Joachim Schädlich in quälender Ungewißheit.

Eingekeilt zwischen Carter und Loderer

Es ist wirklich nicht einfach, wenigstens einen Rest von Optimismus in das kommende Jahr hinüberzuretten: Eine Million Arbeitslose und keine Besserung in Sicht; Tausende von Jugendlichen ohne Beruf, die sich von dieser Gesellschaft betrogen fühlen; eine Pleitenwelle, die nicht enden will; ein bröckelnder Dollar, der es deutschen Unternehmen immer schwerer macht, sich am Weltmarkt zu behaupten; eine Wirtschaft, die der Mut zu Investitionen verlassen zu haben scheint.

Ein teures Werk

Seit Ende 1976 ist das Kernkraftwerk Unterweser bei Esenshamm (Niedersachsen) technisch betriebsbereit, doch noch hat es kein Watt Leistung in das Elektrizitätsnetz abgegeben.

Reaktion nach dem Rücktritt: Warten auf Sebastian

Auch an diesem achten Dezember geht über Lissabon ein kalter Nieselregen nieder. In dem verwinkelten Altstadt-Viertel hoch über dem Tejo-Ufer rumpeln die ersten Straßenbahnen, die Taxifahrer drehen gähnend ihre letzten Runden.

Zeitspiegel

In keiner Diktatur treibt der Personenkult solche Blüten wie im kommunistischen Nordkorea. Unter der harten Hand des seit Ende der vierziger Jahre amtierenden Parteichefs Kim Ilsung leben die Menschen dort angeblich so wunschlos glücklich, daß er selber Wünsche für sie ersinnen muß; jedenfalls behauptet das Parteiorgan Nodong Sinmun: "Der große Führer Genosse Kim Il-sung hat unserem Volk ein glückliches Leben gegeben, so daß es nichts mehr wünschen muß.

Portugal: Lusitanische Krisenkrämpfe: Wie weiter?

Größer könnte der Gegensatz zwischen den beiden Hauptfiguren der portugiesischen Regierungskrise kaum ausfallen: Hier der hagere, schweigsame, kühl und gelegentlich asketisch wirkende Generalspräsident Antonio dos Santos Ramalho Eanes, älter als seine 42 Jahre; dort der kleine, untersetzte, lebhafte, redefreudige und die Privilegien seines Amtes in vollen Zügen genießende Ministerpräsident Mario Alberto Nobre Lopez Soares, jünger als seine 53 Jahre.

Worte der Woche

"Ich glaube nicht, daß das bayrische Volk einen Ministerpräsidenten will, der eigentlich sagt: Ich bin nur Ministerpräsident geworden, weil ich im Moment keine anderen Möglichkeiten sehe, aber im Grande wäre ich lieber Bundeskanzler.

"Schatten über dem Rhein"

Für die überwiegende Mehrheit der Deutschen gibt es keine Zweifel am Selbstmord (der Häftlinge von Stammheim), obwohl sie vom Auffinden schwerkalibriger Pistolen in den Zellen der Verurteilten überrascht wurden, obwohl die Überlebende erklärte, sie sei mit Messerstichen in der Brust zu sich gekommen, ohne jemals an Selbstmord gedacht zu haben.

Wir Deutschen beunruhigen unseren westlichen Nachbarn. Gibt es einen Anti-Germanismus?: Geht es um Bonn, ist "Le Monde" gallisch und gallig

Preisfrage: In welcher französischen Zeitung wurde der Bundesregierung folgendes Ultimatum an die Entführer von Hanns Martin Schleyer vorgeschlagen? "Wenn übermorgen um acht Uhr Schleyer nicht frei ist, und zwar bei voller Gesundheit und an einem bestimmten Ort, dann wird allen erwähnten Häftlingen nach angemessener genereller Betäubung ein Beruhigungsmittel injiziert, und zwar in einer tödlichen Dosis.

Nord-Süd-Kommission: Feuerwehr für die Welt?

Viel mehr als eine neue politische Leerformel ist uns mit dem "Nord-Süd-Dialog" bisher nicht beschert worden. Auch die "neue Weltwirtschaftsordnung" verkommt eher zum Schlagwort nationaler und internationaler Fehden.

Spionagefall in der Bundeswehr: Geheimakten für Frau Lutze...

Verteidigungsminister Georg Leber trat die Flucht nach vorn an. Er sprach am Dienstag dieser Woche gleich von zwei Fällen des Geheimnisverrats – von dem einen, dem Spionagefall, der im Juni 1976 aufgedeckt worden war, und von dem anderen, der durch einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ans Tageslicht kam.

Wolfgang Ebert: Geheime Briefe

ich muß mich heute wieder persönlich an Sie wenden, und zwar in einer dringenden Angelegenheit. Es handelt sich um den Nahen Osten.

Naher Osten: Löwe beim Lamm

Das Alte Testament ist voller symbolischer Geschichten über den Frieden. Eine endet mit dem Satz: Die Völker wären untereinander versöhnt, sobald die Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet würden.

BONNER BÜHNE:: Diplomatischer Händedruck

Herbert Wehner benutzte die Zahl wie Juckpulver. Er streute sie zwischen die schönsten Deklamationen der Opposition. Sprach der Abgeordnete Marx davon, daß die Union den unveräußerlichen Menschenrechten zum Durchbruch verhelfen wolle, trompetete der SPD-Fraktionschef dazwischen: "195 Stimmen!" Redete Marx darüber, daß es "in diesem Hause eine Partei, nämlich die Christlich Demokratische Union, gibt, die für die Verwirklichung der Menschenrechte .

Kossygins Erregung in Helsinki

Der dänische Ministerpräsident Anker Joergensen wundert sich noch immer, warum der sowjetische Regierungschef Kossygin während der vergangenen Woche in Helsinki bei den Feiern zum 60.

Wahlsieg für Australiens Koalition

Die Uranium-Aktien waren die ersten, die auf den Sieg der nichtsozialistischen Koalition in Australien reagierten. Malcolm Fräsers Versprechen, das Land werde ausländische Investitionen fördern, gleichzeitig aber Einfuhrrestriktionen verhängen, hat offenbar keine geringe Rolle beim Sieg seines liberal-nationalen Parteibundes gespielt.

Umweltverschmutzung: Dreck für den Nachbarn

Das Jahrhundertwerk steht, doch stolz dürfte niemand sein. Langes und gutes Reden hat nicht geholfen, ein Umweltschutzjahr und die traditionell gute Nachbarschaft zwischen den niederländischen Friesen und den deutschen Emsländern scheinen vergessen: Seit dem 1.

Schulpolitik: Ein Riese kam zu Fall

Eine schwere Niederlage erlitt der Hamburger Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in der letzten Woche bei den Wahlen zur Lehrerkammer.

Kauderwelsch im Klassenzimmer

Die "Neue Sprache" der Pädagogik soll die Schule wissenschaftlicher machen – doch sie fördert Denkfaulheit

Ölländer in der Klemme

Es gibt Menschen, die wollen Hysterie auslösen. Der amerikanische Senator Frank Church ist einer von ihnen." Dieser unfreundliche Kommentar eines Fernsehsprechers aus dem Ölscheichtum Kuwait am Persischen Golf von Ende November markiert den Höhepunkt eines Rituals, das den Sitzungen des Ölkartells Opec seit der großen Krise von 1973 regelmäßig vorausgeht: die psychologische Schlacht um die Ölpreise.

Kein Grund zum Jubeln

In den vergangenen Jahren gehörte der Anstieg der Kosten unseres Gesundheitswesens zu den alarmierendsten innenpolitischen Problemen.

Bonner Kulisse

Das ganze Ausmaß der Diätenerhöhung, die sich der Bonner Bundestag im vergangenen Jahr verordnet hat, wird erst so recht im kommenden Haushaltsjahr deutlich.

Klaus-Peter Schmid aus Paris: Haltet den Franc!

Nicht nur der Dollar, auch der französische Franc hat in den letzten Wochen gegenüber der Mark viel Boden verloren. Letzte Woche bekam man an der Pariser Devisenbörse für eine Mark mehr als 2,23 Franc.

Ein Abend an der Basis

Der Minister hatte sich eigens aus Bonn einfliegen lassen. Hunderte von Plakaten hatten in der Millionenstadt auf die öffentliche Diskussion aufmerksam gemacht.

Mexiko: Im Schatten des Ölkartells

Die Erfolgsgraphik hängt im Arbeitszimmer des PR-Chefs. Die eine Linie weist seit 1974 nach unten und hört im Jahre 1977 ganz auf; sie gibt die Entwicklung der Importe für Raffinerie- und sonstige Erdölprodukte wieder.

Abschreibungsbranche: Vielfach geächtet – trotzdem erfolgreich wie selten zuvor: Hauptdarsteller ist der Fiskus

Wenn am 22. Februar die Berliner Filmfestspiele beginnen, werden einige tausend Ärzte, Anwälte und Kaufleute aus der Bundesrepublik nicht der Hollywood-Prominenz Applaus spenden, sondern zwei Herren aus Köln: dem Finanzkaufmann Jochem Erlemann, Alleininhaber der Anlageberatungsfirma Europäische Treuhand AG, und Dieter Quast vom Institut für Vermögensplanung.

Nur Hohn für Bonner Erlasse

Seit Anfang der siebziger Jahre versucht das Bundesfinanzministerium vergeblich, die Tätigkeit einer Branche einzuschränken, die damit wirbt, die Steuerschulden gut verdienender Bundesbürger über Abschreibungsprojekte in Vermögen verwandeln zu können.

Fischereipolitik: Die Lobby sieht schwarz

Die britischen Fischer und ihre Organisationen sind davon überzeugt, daß den continentals einfach nicht zu trauen ist. Die vorherrschende Auffassung sieht ungefähr so aus: Erst haben die Nordsee-Anrainer von Frankreich bis Dänemark ihre eigenen Fanggründe leergefischt, dann nehmen sie den Briten die Fische aus ihren traditionellen Gewässern weg und schließlich fischen sie auch noch in aller Eile die EG-Quoten in Gewässern von Drittländern aus, bevor die Boote aus Hull oder Aberdeen eine Chance haben, dort ihre Netze auszuwerfen.

Zeitraffer

Auch 1980 wird es in der Bundesrepublik noch knapp über eine Million Arbeitslose geben, prophezeit die amerikanische Chase Manhattan Bank in einer umfangreichen Studie.

Devisen-Seller

Die Talfahrt des amerikanischen Dollar, der am 6. Dezember mit 2,1520 Mark seinen bisherigen Tiefstand erreichte, hat die internationalen Devisenbörsen verunsichert.

Brüssel: Billiger Gundelach

Mit Finn Olav Gundelach ist seit Anfang dieses Jahres zum ersten Male ein Nicht-Agrarpolitiker in der Brüsseler EG-Kommission für das Grüne Europa zuständig.

Buch der Woche

Personal-Enzyklopädie. Das Wissen über Menschen und Menschenführung in modernen Organisationen in drei Bänden, verlag moderne Industrie, München.

Manager und Märkte

Es ist nur noch die Hälfte wert, aber es ist noch der gleiche Betrag: zwanzig Milliarden Lire. Soviel haben angeblich noch unbekannte Italiener der verkaufswilligen deutschen AEG/Telefunken für ihr Zwanzig-Prozent-Paket am italienischen Hausgerätehersteller Zanussi geboten.

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