Nach der Blutwäsche nahmen die Symptome ab

Die Frage, ob das Spaltungsirresein, die Schizophrenie, Folge einer chemischen Gleichgewichtsstörung, im Gehirn oder aber "eine Reaktion auf den uns umgebenden Schwachsinn der Eltern, der Familie, ja, der ganzen Gesellschaft ist, wie es der schottische Psychiater R. D. Laing formulierte, ist noch ungeklärt.

Allerdings schlägt das Pendel immer mehr zur biochemischen Ursache der Geisteskrankheit aus, wofür keineswegs etwa nur ihre Vererbbarkeit spricht, sondern vor allem eine Reihe neurologischer Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte Hinweise geliefert haben.

Jedoch ist bis jetzt noch kein Befund der Neurologen so überzeugend, daß man ihn zum Beweis erklären könnte.

Immerhin hat die biochemische Ätiologie der Schizophrenie nunmehr zwei wesentliche, einander freilich nicht ergänzende Stützen erhalten. Im britischen Ärzteblatt Lancet (3. Dezember) veröffentlichten Neurologen des Medical Research Council in Cambridge das Ergebnis einer Untersuchung von 41 Gehirnen schizophrener und 60 Gehirnen geistig normaler Menschen, die eines natürlichen Todes gestorben oder Unfallopfer geworden waren. Ihr Augenmerk richteten die Forscher auf die Substanzen, die bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen eine entscheidende Rolle spielen, auf die Neurotransmitter. Wenn überhaupt, so die Schlußweise nicht nur der englischen Gelehrten, dann müßte eine biochemische Unstimmigkeit, die zu bizarrem Verhalten führen könnte, bei der Produktion eben dieser Stoffe zu finden sein. Denn sie sorgen dafür, daß die Informationen zwischen den Nervenzellen in geordneter Weise ausgetauscht werden.

Die Wissenschaftler untersuchten diejenigen Hirnzentren, von denen man annimmt, daß sie von der Schizophrenie in Mitleidenschaft gezogen werden. Und eben hier wurden die Briten auch fündig.

Einer der Stoffe, das Dopamin, war in den Gehirnen der toten Schizophrenie-Patienten deutlich stärker konzentriert als in den Denkorganen der Menschen, die als geistig normal gegolten hatten. Außerdem waren zwei andere Substanzen, Glutaminsäure und Cholinacetyltransferase, in den Gehirnen der Schizophrenen signifikant verringert.