Von Erika Martens

Einst wurden sie begrüßt, jetzt sind sie unbeliebt. Betriebsvereinbarungen sind bei Gewerkschaften nicht immer willkommen.

Das erfahren zur Zeit die Betriebsräte in deutschen Verlagshäusern, die die Probleme der neuen Technik durch Abkommen mit ihren Verlegern in den Griff bekommen wollen. Denn eine tarifvertragliche Regelung über die neuen Systeme, die Gutenbergs Bleisatz zum alten Eisen werfen und Schreib- und Setzmaschinen durch Bildschirme und Computer ersetzen, gibt es noch nicht. Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern sind gescheitert, die Friedenspflicht besteht nicht mehr, und Warnstreiks sorgen seit einigen Wochen für Unruhe.

Doch die Umstellung in den Verlagen geht weiter, und die Betriebsräte müssen sehen, daß sie im eigenen Haus das Schlimmste verhüten. Initiativen mit diesem Ziel wurden von der IG Druck und Papier bis zum Scheitern der Tarifverhandlungen im September durchaus mit Wohlgefallen betrachtet, konnten sie doch den Boden auch für die Gespräche auf höherer Ebene vorbereiten. Seither jedoch sieht die Gewerkschaft solche Einzelabmachungen gar nicht mehr gern.

Umgekehrt war es, so meint Detlef Hensche, Vorstandsmitglied der IG Druck, bei den Verlegern. Sie traten, so Hensche, nach dem Septembertermin vermehrt mit "unsittlichen Angeboten" vor ihre Belegschaft. Ihnen liege jetzt an Abmachungen, die der Streiklust der Belegschaft den Wind aus den Segeln nehmen könnten.

Die Empfehlung der Gewerkschaften, keine Betriebsvereinbarungen mehr abzuschließen, bis die Lage geklärt ist, begründet Hensche so:

  • Es nützt der Allgemeinheit wenig, wenn in einzelnen großen Unternehmen Vereinbarungen mit Sozialplan-Charakter getroffen werden. Damit gibt es keine Garantie für kleine und mittlere Unternehmen, also auch nicht für den ganzen Berufsstand.
  • Wenn sich große Belegschaften "auf dem Ruhepolster einer Betriebsvereinbarung breitmachen, mit wem soll man dann streiken"?