Von August Kirsch

In der Auseinandersetzung um die medizinischpharmakologische Leistungsbeeinflussung im Spitzensport ist ein wichtiger Abschluß erreicht worden: Der Hauptausschuß des Deutschen Sportbundes (DSB), hat die Rahmenrichtlinien zur Bekämpfung des Dopings, 1970 zuerst beschlossen, mit ergänzten Bestimmungen verabschiedet. Nach Vorarbeit des Deutschen Sportärztebundes und des Bundesinstituts für Sportwissenschaft betreffen diese Ergänzungen zunächst einmal die Dopingsubstanzen selbst; neben Phenylaethyl-Aminderivaten wie zum Beispiel Weckaminen, Narkotika und Analeptika sind jetzt die anabolen Hormone, die Muskel Wachstumspräparate, aufgeführt.

Für sie wurde auch der Verbotsraum erweitert: Während für alle anderen Gruppen das Verbot der Anwendung den Zeitraum vor einem Wettkampf und während eines Wettkampfes betrifft, ist die Einnahme der anabolen Hormone auch im Training verboten. Entsprechend sollen Kontrollen für diesen Komplex auch im Training durchgeführt werden.

Die Angabe zur Zahl der zu kontrollierenden Sportler blieb gegenüber 1970 unverändert, obgleich sie in den dazwischenliegenden sieben Jahren nie erfüllt werden konnte. So sollen in Einzelwettbewerben "die Sportler, welche die ersten drei Plätze erreicht haben, sowie weitere drei durch Los ermittelte Sportler" kontrolliert werden. Dies würde in der Leichtathletik bei 38 olympischen Disziplinen, von denen oftmals 20 bis 25 bei internationalen Sportfesten ausgetragen werden, einige hundert Sportler betreffen. Die Kapazität der einzigen deutschen Doping-Analyse-Stelle in Köln reicht dazu bei weitem nicht aus. Daher hat das Präsidium des DSB in Frankfurt die Absicht geäußert, diese Stelle auszubauen.

Auch für das Strafmaß bei positiven Dopingbefunden kann der DSB nur Empfehlungen geben. So schlägt er im ersten Fall einer positiven Probe eine Wettkampfsperre von vier Wochen bis zu sechs Monaten vor, im ersten Rückfall eine Sperre von einem Jahr bis zu zweieinhalb Jahren und schließlich im zweiten Rückfall eine Wettkampfsperre auf Lebenszeit.

Der DSB sprach sich gegen eine "Dopingpolizei" aus, wobei zweifellos eine Art oberes Einsatzkommando gemeint war, das unabhängig und den Verbänden zu jeder Zeit im Training und Wettkampf hätte eingesetzt werden können. Die Verantwortung für die Auswahl der Wettbewerbe und die Durchführung der Kontrollen soll bei den Spitzenverbänden bleiben.

Die Schwierigkeiten in der Leichtathletik waren deshalb besonders groß, weil der Internationale Leichtathletik-Verband (IAAF) die anabolen Steroide seit 1971 auf die Verbotsliste gesetzt hatte, ohne jedoch den routinemäßigen Nachweis auf Einnahme führen zu können. Wegen dieser Schwierigkeiten nahm das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Anabolika erst 1976 in Montreal auf die Verbotsliste. Der Europäische Leichtathletikverband hat 1975 erstmals Kontrollen auf Anabolika durchgeführt, ohne aus den Ergebnissen wegen des noch immer schwierigen Nachweises Folgen zu ziehen.