Nach zehn Jahren: Die Politiker kehren an die Hochschulen zurück

Von Claus Voland

Der Pförtner im "Philosophenturm" der Hamburger Universität war nach der ersten Woche des Studentenstreiks skeptisch: "Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm." Aber es blieb bei der Ruhe und der befürchtete Sturm kam nicht auf. Wirbel machten nur einmal dreißig Extremisten, als sie eine Gruppe von CDU-Parlamentariern mit Gewalt am Betreten des "Rechtshauses" hinderten. Der Allgemeine Studentenausschuß (AStA) reagierte sofort und verurteilte den Vorfall. Der AStA, der schon vor dem Streik den Studenten eingehämmert hatte, es dürfe zu keinen gewaltsamen Auseinandersetzungen kommen, behielt denn auch für die weiteren Streiktage das Heft in der Hand. So konnten zum Streikschluß sowohl der Hamburger Wissenschaftssenator Dieter Biallas als auch der Universitätspräsident Peter Fischer-Appelt die Bilanz ziehen: AStA und Studenten ist es gelungen, den vierzehntägigen Vorlesungsboykott gewaltlos ablaufen zu lassen.

Zur spektakulärsten und ruppigsten Auseinandersetzung kam es an der Frankfurter Universität. Studenten bedrängten den hessischen Kultusminister Hans Krollmann und forderten von ihm mit dem Ruf "Bullen raus", er solle seine Sicherheitsbeamten aus dem Saal schicken. Als Krollmann sich weigerte und die Polizei in Schutz nahm, flogen Eier und Tomaten.

Streit um Streik-Zahlen

Frankfurt war die Ausnahme. In der Regel verlief der Vorlesungsboykott, zu dem die Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS) aufgerufen hatten, friedlich. Es gab da und dort Störungen von Vorlesungen, es wurden auch schon mal Türen ausgehängt wie an der Freien Universität Berlin, aber, so der Wissenschaftssenator der Stadt, Peter Glotz: "Auffallend war, gemessen an früheren Semestern, eine wesentlich geringere Militanz der Studentengruppen."

Mit ihren Protesten und Aktionen erreichten die Studenten, daß ihre Probleme und die der Hochschulen wieder in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Beteiligung an dem Vorlesungsboykott war freilich im Bundesgebiet sehr unterschiedlich. Genaue Zahlen lassen sich aus mehreren Gründen nicht ermitteln: