Von Hannah Glaser

Manchem, dem die "Laissez-faire-Mentalitat" des französischen Club Méditerranée bisher noch Rätsel aufgab, der erhielt jetzt praktischen Anschauungsunterricht: In Frankfurt lud das Team der brandneuen bundesdeutschen Niederlassung des Veranstalters mit dem Prestige-Image des teuren, wilden Urlaubs zur Pressekonferenz ein.

"Vorstellung des Sommerprogramms 1978" war auf dem ausgedruckten Programm zu lesen. Zwar gab man an die Journalisten prätenziöse Aktenköfferchen aus, der Inhalt bestand jedoch zum Großteil aus leeren Blättern. Vom Prospekt des kommenden Jahres – Anlaß des Meetings – war nichts zu sehen. Nicht, daß man mit dem Drucken nicht nachgekommen wäre, die Verhandlungen für die neuen Programme, so gab man charmant bereitwillig Auskunft, sind noch lange nicht abgeschlossen. Zwar stehen inzwischen die Ziele fest, die man dem bundesdeutschen Reisepublikum servieren will, welcher Carrier diese Destinationen anfliegt und wo die neuen Reisepreise im Detail anzusetzen sind, entzieht sich bisher jedoch auch dem Wissen der Geschäftsleitung, die eigens zu dieser Mitteilung aus Paris angereist war.

So ließ sich dem Veranstalter zwar mühsam entlocken, daß man den bundesdeutschen Clubfans – im vergangenen Jahr waren es 20 350, rund vier Prozent aller Club-Med-Reisenden – Charterflüge von Düsseldorf und Frankfurt, sowie Teilcharter von sechs anderen westdeutschen Flughäfen aus anbietet; wie man sich aber konkret die Entwicklung auf dem glücklosen deutschen Markt künftig vorstellt, blieb offen. Immerhin: Die Chartertrips zu den Club-Ferienanlagen in Italien, Sizilien und Marokko sollen um etwa zehn bis 12 Prozent preiswerter werden als im Vorjahr.

Da die Kooperation, die man in der Vergangenheit mit dem TUI-Veranstalter Touropa und den Münchener AMC-Reisen eingegangen war, nicht die gewünschten Erfolge gebracht hatte, hat man sich in Paris entschlossen, sich ab sofort – neben Italien und den USA – auch in Deutschland auf die eigenen Füße zu stellen, um das Geschäft von der Düsseldorfer Zentrale aus – die mit immerhin 35 Mitarbeitern besetzt ist – selbst in die Hand zu nehmen. Rund 1200 Vertrags-Reisebüros sollen die Trips an die Kunden bringen.

Ob ein großes Team und französische Nonchalance für einen Erfolg auf dem heißumkämpften deutschen Markt allerdings ausreichen – wo zudem die Prospekte aller anderen Veranstalter, die inhaltlich nicht selten ein Konkurrenzangebot zum legeren Club-Med-Urlaub anbieten, seit Wochen für potentielle Kunden zu haben sind – scheint nach dieser improvisierten Pressekonferenz in der Mainmetropole mehr als fraglich.

Um in die schwarzen Zahlen zu kommen, so wies die Pariser Geschäftsführung aus, braucht man in Deutschland mindestens 50 000 Kunden im Jahr, mehr als das Doppelte also, als die Buchungszahl, die man 1976/77 erreichte. Und daß die Club-Med-Fans hierzulande bei Herausgabe des Prospekts die Nacht über Schlange stehen, um die heiße Ware Urlaub überhaupt zu bekommen, wie man glaubhaft versicherte, daß es in Frankreich der Fall sei, damit rechnet ernsthaft niemand.