Von Michael Schweizer

Die neuen Verkehrsregeln in der DDR, die am 1. Januar 1978 in Kraft treten, werden westdeutschen Autofahrern zwar keine Schwierigkeiten bereiten, aber – besonders während des starken Feiertagsverkehrs – bleibt ein altes Problem bestehen: Was blüht westdeutschen Kraftfahrern bei Unfall oder Panne?

Bei Kilometer hundertdrei auf der Autobahn Hirschberg–Berlin blockierten die Hinterräder. Der Erlanger Hans-Peter H. hörte ein "kräftiges Geräusch" und brachte seinen VW-Bus zum Stehen. Frühdiagnose: Getriebeschaden.

Auch Victor S. aus Berlin hatte eine Autopanne im anderen Teil Deutschlands. Ein Schaden an der Wasserpumpe stoppte in der Nähe von Gera seinen Ford Consul. Abschleppen mit dem Seil, was ein anderer Verkehrsteilnehmer anbot, kam nicht in Frage: Die Limousine des Berliners besaß ein automatisches Getriebe. Zwei Fälle von einigen hundert, die jährlich etliche. Bundesbürger ratlos machen. Ihre Frage: Was tun, wenn "drüben" was passiert?

"Grundsätzlich nach Westberlin oder in die Bundesrepublik abschleppen lassen, weil Werkstätten in der DDR weder über die erforderlichen Ersatzteile noch über die nötigen Spezialwerkzeuge verfügen", rät Jörg Wurm vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC), "ganz abgesehen davon, daß die Werkstattkapazität nicht ausreichend ist."

So offeriert, der Münchner Autoklub seinen Mitgliedern eine "Kostenbeihilfe" von 250 Mark zur Abschlepp-Rechnung, sofern sie nicht Inhaber des "Inland-Schutzbriefes mit DDR-Zusatzpolice" sind: Das Care-Paket, das alle anfallenden Kosten ersetzt, kostet 57,50 Mark pro Jahr.

Auch Ernst Bauer, Sprecher des Auto Club Europa (ACE), votiert grundsätzlich für "Über-– führung", die der Gewerkschaftsklub schon beim niedrigsten Beitragssatz von 28 Mark pro Jahr bezahlt. "Bei Pannen an den Kfz-Hilfsbereitschaftsdienst der DDR wenden", weiß er aus Erfahrung, "doch nicht damit rechnen, daß dieser Kfz-Dienst auch größere Pannen beheben kann."