Für die überwiegende Mehrheit der Deutschen gibt es keine Zweifel am Selbstmord (der Häftlinge von Stammheim), obwohl sie vom Auffinden schwerkalibriger Pistolen in den Zellen der Verurteilten überrascht wurden, obwohl die Überlebende erklärte, sie sei mit Messerstichen in der Brust zu sich gekommen, ohne jemals an Selbstmord gedacht zu haben. Das ist zunächst dadurch zu erklären, daß unsere Nachbarn heute demokratisch genug sind, um zu glauben, daß ihre Regierung es auch ist, und folglich ist ihr Wort nicht in Zweifel zu ziehen...

Der natürliche Reflex des Franzosen führt dazu, daß er alles in Frage stellt, was die Regierungen erzählen, an erster Stelle die eigene. Die große Mehrheit unserer Landsleute hat niemals die offizielle Version der Affäre Ben Barka oder der Ermordung Kennedys akzeptiert. Sie glauben auch weiterhin, daß hinter der Abdankung Nixons mehr als nur Watergate stand. Die Deutschen sollten deshalb diese vielleicht falsche, aber absolut spontane Reaktion eines alten Volkes, dem man allzu viele Märchen erzählt hat, nicht für den Ausdruck einer primitiv antideutschen Einstellung halten."

"Ist es angebracht, wie das in diesem Zusammenhang in Frankreich und anderswo geschehen ist, vom Wiederaufleben des Polizeistaats zu sprechen? Dieser Ausdruck bezeichnet eher ein System, in dem die Polizei den Bürgern ihr Verhalten, ja, ihre Meinung diktiert. Im vorliegenden Falle sind es die Bürger, die nach der Polizei rufen. Das sollten sich die Franzosen vor Augen halten. Letztlich ist es nicht gesagt, ob sie nicht genauso reagiert hätten, wenn gleichartige Ereignisse bei ihnen selbst passiert wären..."

"Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und die anderen, sie sind die Kinder der Deutschen, auch wenn sie vom Wege abgekommen sind. Bundeskanzler Schmidt hat das richtig verstanden, als er dem Druck der Öffentlichkeit widerstand, die Todesstrafe einzuführen, ebenso Marschall Rommels Sohn, der den Toten des Gefängnisses Stammheim nicht verwehren wollte, auf dem Friedhof seiner Stadt Stuttgart zu ruhen.

Diese Kinder sind auch die unseren, Kinder einer Gesellschaft, die die ‚Werte‘ von gestern weitgehend zerstört hat, ohne andere an ihre Stelle zu setzen, die allzuoft der Jugend den Eindruck vermittelt, sie kümmere sich um alles, nur nicht um das Wesentliche. Wer das feststellt, geht nicht mit Deutschland ins Gericht, sondern gesteht die geistige Leere einer Welt ein, zu der wir genauso wie Deutschland gehören. Es wäre tragisch, wenn dieser Prozeß, den wir uns selbst machen müssen, von einem Mißverständnis zum anderen in den Prozeß eines Volkes gegen ein anderes ausarten würde."