Neben Katz am Tisch der Angeklagten sitzt wortkarg Bernhard Heidorn, Katzens Buchhalter. Meint Katz ihn? Meint er den dritten Angeklagten Josef Arusi, der sich nach Israel abgesetzt hat? Katz verrät es nicht. Er will zur Sache nicht mehr sagen, und die Frage drängt sich auf, was das feierliche Versprechen eines „schillernden Charakters“ gelten soll.

Katz hat schon 550 000 Mark gezahlt. Weitere 50 000 Mark haben seine Statthalter oder Thronfolger im Imperium (jetzt: Rimini Gaststätten-Betriebe GmbH) lockergemacht. Der Trick eines gerissenen Geschäftsmannes, der sich die Entlassung aus der U-Haft erkaufen will, um endgültig die (Steuerfreiheit zu wählen?

Soll man ihm trauen? Ist er nicht sogar bereit gewesen, eine Million Mark Kaution zu zahlen? Und wie sah es denn vorher – zu seinen Glanzzeiten – mit ihm aus? Fuhr er nicht teure und große Limousinen? Hatte er nicht Rennpferde laufen? Pflegte er nicht Umgang mit Stars des Showgeschäfts? Spielte er sich nicht als Mäzen auf und bot an, das darniederliegende Hamburger Operettenhaus mit Erträgen aus dem Pizza-Geschäft zu retten, als für dieses Kulturinstitut kein Verantwortlicher mehr Rat wußte: Wer so aufgetreten ist, kann kein ehrlicher Steuerzahler und kein Mann von Wort sein –

Irritieren mag nur, daß der Angeklagte Manfred Katz eine ganz andere Geschichte zu erzählen weiß – die Geschichte eines Mannes, der nicht aus dem Nichts kam.

Er entkam 1938 aus Deutschland. Mit knapper Not erreichten die Eltern mit dem vierjährigen Jungen Ecuador. Die Familie fristete ihr Leben irgendwo zwischen den Anden. Landarbeit war die Voraussetzung für das Gastrecht. Später war der Aufenthalt in der Hauptstadt Quito erlaubt. Es ging aufwärts. Zwei Brüder konnten länger die Schule besuchen. Sie waren wohl begabter, verschrieben sich der Wissenschaft, legten Ehre ein. Manfred Katz bekam nur das Nötigste auf den Weg. Drei Jahre ging er zur Schule.

Und dann fuhr er wieder nach Deutschland. Im Jahre 1951. Zu den Weltjugend-Festspielen nach Ostberlin. Die Reise wurde eine Enttäuschung. Manfred Katz gewann den Eindruck, am falschen Platz zu sein. Er hörte von Israel und ging in einen Kibbuz. Er trat auch in die israelische Armee ein.

Deutschland? Was ging Manfred Katz Deutschland noch an? – Bis er seine Mutter fragte, woher die Katzen! eigentlich gekommen waren. Die Mutter, eine geborene Hamburger, erzählte von Deutschland, von Hamburg. In Altona, auf dem Judenfriedhof, lagen viele Katzens und Hamburgers. Schon seit dem siebzehnten Jahrhundert. Und Manfred Katz beschloß, „sein Schicksal mit dieser Stadt zu verbinden“. Er ging nach Hamburg. In der Tasche hatte er 65 000 Mark, verdient mit zwei Restaurants in Israel. Was lag näher, als in Hamburg mit einem Restaurant zu beginnen – mit „Los Indios“? Das war die Keimzelle für die Katz-Gaststätten-Betriebe. Manfred Katz begann, die Hamburger Gastronomie zu verändern. Eines Tages, dachte er, werde er dafür das Bundesverdienstkreuz bekommen. Statt dessen brachte man ihn hinter Gitter.