Die Uranium-Aktien waren die ersten, die auf den Sieg der nichtsozialistischen Koalition in Australien reagierten. Malcolm Fräsers Versprechen, das Land werde ausländische Investitionen fördern, gleichzeitig aber Einfuhrrestriktionen verhängen, hat offenbar keine geringe Rolle beim Sieg seines liberal-nationalen Parteibundes gespielt.

In London herrscht eine gewisse Erleichterung. Denn die brüske Entlassung des Labour-Führers Gough Whitlam durch den britischen Gouverneur – lies: durch eine britische Labourregierung – im Jahre 1975 hat jetzt eine nachträgliche Billigung der australischen Wähler erfahren.

Whitlam hat sein "Versprechen" prompt eingelöst und als Verlierer die australische Politik verlassen. Von den 124 Sitzen des Repräsentantenhauses konnte Labour nur ein gutes Drittel gewinnen. Es hilft ihr wenig, trotz eines Verlustes von drei Prozentpunkten weiterhin stärkste Partei zu sein. Die Koalition gewann sieben Punkte mehr und sieht sich bestätigt.

Der 47jährige Fraser schickt sich an, die Nachfolge von Sir Robert Menzies als politisch langlebiger Staatsmann anzutreten, nachdem sein 14 Jahre älterer Opponent die Arena verlassen hat. Dessen designierter Nachfolger William Hayden entbehrt noch des internationalen Rufes, sofern er überhaupt den Diadochenkampf gewinnt. Fräsers Sieg ist der Sieg einer mehr "australienbewußten" Politik.

Nach europäischen Maßstäben hat die Koalition von Melbourne etwas Unge-Koalition geschafft: einen Wahlerfolg inmitten steigender Unruhe, die der Arbeitslosigkeit gilt. Fräsers Andeutungen während des Wahlkampfes zeigten eine verzweifelte Ähnlichkeit mit dem, was der Premierminister des Commonwealth-"Heimatlandes", Callaghan, 1978 den Briten zusagen wird: daß der Kampf gegen die Inflation Vorrang habe, selbst um den Preis weiterer Verknappung der freien Stellen. In Australien droht ein Anstieg der Unbeschäftigten auf 6,5 bis 7 Prozent; dafür will Fraser die Teuerungsrate auf einstellige Ziffern herabdrücken. Das hört sich an wie eine Unterhausrede von Denis Healey: so verschieden die Bedingungen an den "Antipoden", so verblüffend die Parallelen.

Die Ähnlichkeit läßt sich weiter verfolgen; man kann im Verhältnis der Gewerkschaften zur Regierung den Schlüssel sehen, der sowohl in Melbourne wie in London eine entspanntere Zukunft eröffnet oder verriegelt. Protektionismus, von Fraser versprochen, würde sicher liebend gern auch von Callaghan zugesagt, würde ihm nicht die Europäische Gemeinschaft die Hände binden.

Karl-Heinz Wocker (London)