Ich wache auf. Der Fernseher läuft noch. Die Spätausgabe der Tagesschau kommt. Der Sprecher mit der Stimme, die immer den gleichen Tonfall hat, liest vor. Ich muß niesen. Ich niese noch mal. Beim dritten Mal schießt der Kopf nach vorn. Bevor ich einschlief, hatte ich nicht geniest. Ich stütze den Kopf auf. Es kribbelt in der Nase. Was hat der Sprecher da gesagt? Ich muß wieder niesen. Mein Taschentuch ist schon naß. Ich hole ein Tempotaschentuch und stecke es in die Tasche. Ich muß mich ausschnauben und suche mein Taschentuch und denke nicht an das Tempotaschentuch, weil es noch nicht auseinandergefaltet ist.

Der Sprecher macht eine Pause. Und ich sage mir: geh doch ins Bett. Hätte ich das nicht laut gesagt, wäre mir ja nicht aufgefallen, daß meine Stimme belegt ist. Ich räuspere mich, und danach muß ich husten. Das war aber mehr ein Hustenreiz. Der Sprecher ist noch immer nicht beim Wetterbericht. Ich muß wieder niesen. Der Kopf ist heiß. Das kommt nur vom Niesen. Im Kissen wird er abkühlen. Ich höre den Wetterbericht nicht mehr und gehe ins Bett. Ich ziehe die Decke bis ans Kinn und bleibe auf dem Rücken liegen. Die Nase läuft nicht mehr. Was war denn im Fernsehen? Da waren immer so lange Strecken gewesen mit wenig Bäumen...

Ich höre einen dumpfen Knall. Eine Autotür ist zugefallen. Noch so ein Knall. War die Tür nicht ganz zu? Ich will tief durchatmen, aber die Nase ist verstopft. Ich falte die Tempotaschentücher auseinander und schnaube mich aus. Ich atme nicht gleich tief durch. Ich bin gespannt, ob ich überhaupt tief durchatmen kann. Auf der Straße wird geredet. Dann fallen drei Türen nacheinander zu. Das klingt aber nicht so dumpf. Ich rate, was für ein Wagen das sein kann und will endlich tief durchatmen. Aber die Luft kommt nicht ganz durch. Warum atme ich denn nicht durch den Mund?

Habe ich geschlafen? Da ist wieder so ein dumpfer Knall. Ich halte den Atem an. Das ist die Tür einer Taxe. Der Dieselmotor läuft noch. Ich muß wieder durch die Nase atmen und richte mich auf. Jetzt geht es. Aber ich kann doch nicht so sitzen bleiben. Ich stehe auf und gehe nach nebenan. Die Bereitschaftsbirne im Fernsehen brennt noch. Was war denn im Fernsehen? Da waren immer so lange Strecken gewesen mit wenig Bäumen, ging da nicht auch jemand? Ich schalte die Birne aus. Im Bett wird mir noch einfallen, was da alles war.

Ich atme durch und lasse den Kopf ins Kissen sinken und atme weiter durch. Ich muß nur immer durchatmen. Es fängt an zu regnen. Tropfen schlagen ans Fenster. Ich ziehe die Decke bis ans Kinn. Auf der Straße müssen schon Pfützen sein, immer ziehen die Reifen das Wasser mit. Hätte ich doch weiter durchgeatmet. Die Nase ist wieder verstopft. Ich fahre mit dem Finger über den Nasenrücken. Wie heiß das ist. Und dann klopfe ich dagegen. Je höher ich zum Nasenbein hin klopfe, desto mehr Luft kriege ich. Ich klopfe und klopfe, und ein Wagen nach dem anderen fährt durch die Pfützen.

Lange kann ich nicht geschlafen haben. Und die Nase ist wieder verstopft. Ich schnaube mich aus, aber es kommt nichts. Warum klopfe ich denn nicht gegen das Nasenbein? Es scheint nicht mehr zu regnen. Aber vielleicht nieselt es. Ich stehe auf und kriege Luft. Ich brauche nicht erst tief durchzuatmen, und es nieselt auch nicht. Am Fenster gegenüber steht ein Mann. Er hat auch nichts übergezogen. Seine Blicke sind auf einen Wagen gerichtet. Das muß ein neuer sein, und nach dem Regen glänzt er auch noch. Der Mann blickt immer noch auf das Auto, und ich Mann auf den Teppich. Da liegen die Tempotaschentücher. Ich sammel sie auf und muß husten. Das kommt nur vom Bücken. Wenn ich wieder im Bett bin, wird es aufhören. Aber ich muß mich ja bücken, um ins Bett zu kommen.

Ich setze mich in den Fernsehsessel und bleibe ganz ruhig sitzen und habe Luft und der Husten ist weg. Mich friert. Was war denn im Fernsehen? Da waren immer so lange Strecken gewesen mit wenig Bäumen, und da ging doch auch jemand, und jetzt weiß ich es, im Bett war mir das ja nicht eingefallen, der ging da immer weiter und die Musik tapste mit. In Gedanken ging ich jetzt auch ein Stück. Und dann lief ich. Mir wurde warm, und ich machte die Augen zu. Als ich sie öffnete, fror mich wieder. Ich holte die Wolldecke. Warum hatte ich das denn nicht schon früher gemacht?