Den Künstlern geht es schlecht. Kann ein Gesetz ihnen helfen?

Von Ute Naumann

Bundespräsident Walter Scheel sagte im Oktober vor einem Jahr zum Thema Kunst: "Die Kunst wird in der Demokratie nicht gefördert, weil sie unterhaltsame und vergnügliche Dinge zuwege bringt; das tut sie auch und soll sie auch tun, und man sollte das nicht zu verhindern trachten. Sondern sie wird deswegen gefördert, weil die Kreativität das Herzstück dessen ist, was wir unter Freiheit verstehen..."

Und es sagte der SPD-Vorsitzende Willy Brandt im März 1975: "Die soziale Absicherung von Künstlern ist nicht die Protektion von Sondergruppen und -interessen, sondern die fällige Gleichstellung von Künstlern mit anderen Arbeitnehmern."

Und Kanzler Helmut Schmidt zum gleichen Thema: "Es gilt natürlich weiterhin, daß die Kunst sich in gewissen Grenzen selbst ernähren muß. Aber es gibt Grenzen, und darüber hinaus muß geholfen werden."

Seit 1970 wird über die rechtliche, wirtschaftliche und soziale Situation der freischaffenden Künstler laut nachgedacht und diskutiert; damals gab Heinrich Böll den Denkanstoß und machte sich mit dem Stichwort "Ende der Bescheidenheit" zum prominenten Anwalt der Künstler. In der euphorischen politischen Stimmung jener Zeit fand er offene Ohren. Willy Brandts Regierung gab eine Enquete in Auftrag; seit 1974 liegt der "Bericht der Bundesregierung über die wirtschaftliche und soziale Lage der künstlerischen Berufe" vor. Dem "Künstler-Bericht" zufolge leben die meisten bildenden. Künstler unter uns von brotloser Kunst.

Etwa 50 000 Menschen in der Bundesrepublik sind durch die Ausbildung an einer Hoch- oder Fachschule "bildende Künstler" – also Maler oder Bildhauer. Nur 22 Prozent – oder etwa 11 500 – sind als freischaffende bildende Künstler in ihrem Wunschberuf tätig. 47 Prozent der 50 000 ausgebildeten Maler und Bildhauer, fast die Hälfte, verdienen ihren Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit, die mit ihrem Ausbildungsberuf gar nichts mehr zu tun hat. Und über ein Viertel der ausgebildeten bildenden Künstler arbeitet nicht oder nicht mehr. Zwei Drittel dieser Erwerbslosen sind Frauen.