Phantastisches im Olympiapark

Von Dieter E. Zimmer

Der Kulturausschuß der Stadt München tagte vorige Woche in der Olympiahalle bei Kaffee und Kuchen. Er tagte und begrüßte, schließlich sogar einstimmig, nämlich mit den Stimmen der in der Opposition stehenden und zunächst zögernden CSU.

Was er begrüßte, ist ein Projekt des Wieners André Heller, eines mageren Mannes von multipler Begabung: Dichter, Liedersänger, Schandmaul, Selbstdarsteller, Kitschier, Zirkusregisseur, Dandy, personifiziertes Kunstwerk. Heller, der sich nicht scheut, sich "eine Art gefallener Engel" zu nennen, ist bisher vorzugsweise auf dem Grat zwischen Talmi und Kunst entlanggetänzelt, viel zu talentiert und intellektuell und spinnert, um ein Hitparaden-Entertainer zu werden; aber dem ernstzunehmenden Poeten kam immer wieder die andere Person in ihm in die Quere, der die pointierten Schmähungen, der die billigen poetischen Bilder allzu reichlich und flott entströmten, und die zu genau berechnete, wie sie sich in Szene setzen mußte, um Effekte zu erzielen.

In dem, was er jetzt für München vorhat, hat Heller vermutlich genau die Idee gehabt, bei der sich seine verschiedenen Seelen und Fähigkeiten nicht bekriegen, sondern ergänzen. Zu rubrizieren ist das Projekt folglich genauso schwer wie er selber. Es heißt: "Calafatti – Weltausstellung der Phantasie", ein Zwischending zwischen Jahrmarkt, Poesie-Festival und documenta, zwischen E und U, wie es das noch nie gegeben hat. Wenn etwas draus wird, und die Zeit zur Vorbereitung ist inzwischen etwas knapp, wird im Sommer 1979 fünfzehn Wochen lang auf dem Wiesen-Hügel-und-Seen-Gelände im Süden des sonst kaum genutzten Olympiaparks eine sonderbare Lustbarkeit stattfinden.

Man könnte sie sich etwa folgendermaßen vorstellen (und zweifellos wird es auf dem Weg von der Idee zur TÜV-geprüften, feuer- und baupolizeilich gutgeheißenen Materialisierung etliche Veränderungen geben): Von fern schon sieht man ein riesiges Mobile, das das Wort "Calafatti" buchstabiert, den Namen des Taschenspielers, der um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zum erfolgreichsten Unternehmer auf dem Wiener Prater avancierte – "für mich seit meiner frühesten Kindheit ein Synonym für eine unkonventionelle poetische Welt, eine Symbolfigur der barocken Volkslustbarkeit" (Heller).

Um das Gelände läuft ein Zaun, bedeckt mit den Lieblingsgedichten der Künstler, deren Bekanntschaft man bald noch auf andere Weise machen wird.