Auch 1980 wird es in der Bundesrepublik noch knapp über eine Million Arbeitslose geben, prophezeit die amerikanische Chase Manhattan Bank in einer umfangreichen Studie. Als Hauptursache für das schwache Wirtschaftswachstum hierzulande werden die explosionsartig gestiegenen Lohnnebenkosten bezeichnet, die von 1970 bis 1976 jedes Jahr durchschnittlich um 16,5 Prozent zugenommen hätten.

Nach Chase-Berechnungen machten die Lohnnebenkosten im vergangenen Jahr 60,8 Prozent der direkten deutschen Stundenlöhne aus, in den USA dagegen nur 31,7 Prozent. Die deutschen Löhne selbst, die vor einem Jahr auf Platz fünf unter allen Industrieländern rangierten, sieht die Chase-Studie im Jahre 1980 nur noch von denen in Schweden und Belgien übertroffen.

Zur Tarifrunde 1978 wurden in der vergangenen Woche zwei Forderungen auf den Tisch gelegt: Die IG Metall verlangt acht Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 800 000 Beschäftigten der Branche in Baden-Württemberg, die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) dagegen nur Gehaltsaufbesserungen von 6,5 Prozent. Die DAG liegt mit ihrer Forderung nur einen Prozentpunkt über der Prognose des Bundeswirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff, der – wie der Sachverständigenrat – für das nächste Jahr ein Plus von 5,5 Prozent erwartet.

Mit der kaum veränderten Marschzahl von 3,7 Prozent hat sich auch im November der Preisauftrieb fortgesetzt. Der Preisindex für die Lebenshaltung aller privaten Haushalte war in den beiden vergangenen Monaten um 3,8 und ebenfalls 3,7 Prozent gewachsen. Den Rentnerhaushalten hat die Teuerung weniger zugesetzt; für sie stieg der Index nur um 3,1 Prozent im November.

Trotz des freundlichen Preisklimas, der deutsche Handel scheint dem Frieden nicht so recht zu trauen. Immerhin jedes dritte befragte Handelsunternehmen, so berichtet das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, nannte als Motiv für lebhaftere Bestellungen, daß es damit möglichen Preiserhöhungen der Lieferanten zuvorkommen wolle.

Sorgen ganz anderer Art gab es bei den Einzelhändlern in der City von Frankfurt und Essen. Als Novum im vorweihnachtlichen Einkaufsgetümmel behinderten am dritten verkaufsoffenen Samstag maskierte und bemalte Jugendliche das ohnehin nicht sehr gute Weihnachtsgeschäft in Frankfurt. In der "Zeil" spielten sich tumultartige Szenen ab, bei denen Scheiben zu Bruch gingen und Verkaufstheken umgestürzt wurden – trotz starker polizeilicher Überwachung. In Essen zogen 15 000 Bürger, meist Jugendliche, durch die Innenstadt und demonstrierten für das Recht auf Arbeit. üth.