Von Lewis Carroll

Er hatte, mitten im viktorianischsten England, eine Schwäche für kleine Mädchen. Er war, in Oxford, Professor für Mathematik, und sein Sinn für Logik schloß den Sinn für die Effekte ein, die von einer Auflösung der Logik ausgehen. Eine schwierige Situation; eine Möglichkeit, sie zu mildern, bestand für ihn darin, kleine Mädchen durch die Erfindung amüsanter Geschichten von kopfstehender Logik zu hofieren.

Diesen Schwierigkeiten verdanken wir eines der klassischen Werke der phantastischen Literatur: die "Alice im Wunderland" (1865) und ihre Fortsetzung "Durch den Spiegel" (1872) des Charles Lutwidge Dodgson, veröffentlicht unter Pseudonym Lewis Carroll.

Es gab Hinweise darauf, daß in "Durch den Spiegel" eine ganze Passage fehle. 1974 tauchte sie tatsächlich auf, als in Sotheby’s Auktionshaus in London der "Besitz eines Gentleman" versteigert wurde. Zu diesem Besitz gehörten sechs Fahnenabzüge des dritten Kapitels ("Spiegelinsekten") von ("Durch den Spiegel") mit Dodgsons eigenhändigem Streichungsvermerk.

Warum hat er die Passage gestrichen? Vielleicht war es so, daß sein Illustrator, Sir John Tenniel, Einspruch eingelegt hatte – die "Alice" hatte ihm viele bizarre Wesen abverlangt, aber gegen eine Wespe mit einer Perücke sträubte sich seine Feder denn doch.

Der New Yorker Sammler Norman Armour Jr., der die sechs "Fahnenabzüge" für 1700 Pfund erstand, gab den Text zur Veröffentlichung frei. In diesem Herbst wurde er von der nordamerikanischen Lewis-Carroll-Gesellschaft herausgegeben und, mit verschiedenen Illustrationen, von dem Carroll-Forscher Morton Cohen im "Telegraph Sunday Magazine" vorgestellt. Hier ist er erstmals in deutscher Sprache.

Sie setzte gerade zum Sprunge an, als sie einen tiefen Seufzer vernahm, der aus dem Gehölz hinter ihr zu kommen schien.