Zum Jahresende erfreuen sich die Bausparkassen in der Bundesrepublik traditionell der besonderen Gunst der Öffentlichkeit Millionen von Bausparern sichern sich noch kurz vor Silvester einen Anspruch auf die gesamte Jahresprämie. Jetzt jedoch setzen die 16 privaten und 13 öffentlichen Bausparkassen plötzlich ihr Vertrauenspotential aufs Spiel.

Die im Urteil der Sparer attraktive und seriöse Branche liefert sich – wie selbst in den eigenen Reihen eingeräumt wird – eine entwürdigende Schlacht um neue Sparer. Obwohl nur die Bausparkassen eine Ausnahmegenehmigung für das Sparen zum Zwecke des Erwerbs von Haus- und Wohnungseigentum besitzen, preisen selbst bekannte Marktführer ihre Darlehen seit einiger Zeit wie Waschmittel an.

Schlimmer noch: Das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen hat anrüchige Werbemethoden einiger Institute verboten. Dennoch zeigen sich jetzt neue Auswüchse, die haarscharf an der verbotenen Werbung vorbeigehen. Während die einen mit Preisausschreiben und Lotteriespielen auf Kundenfang gehen und dadurch der Meinung Vorschub leisten, Bausparmittel würden in unsachgemäßer Weise verwendet, werben andere mit der Autorität von Behörden ("Liebe Kollegen aus dem öffentlichen Dienst!") oder gewähren trotz Verbot Rabatte auf die Abschlußgebühr.

Kleine Bausparkassen, die da nicht mithalten können, wollen der Eskalation nicht länger tatenlos zusehen. Sie drohen mit "Vergeltung für den Werbekrieg". Mit einem Schwall von gerichtlichen Verfügungen und Beschwerdebriefen über die böse Konkurrenz erreicht die Auseinandersetzung auf den sonst eher stillen Vorstandsetagen der Institute einen Höhepunkt.

Die Schlacht um neue Kunden erscheint auf den ersten Blick widersinnig. 1976 konnten die Bausparkassen mit 2 593 000 neuen Verträgen einen absoluten Rekord aufstellen, der in diesem Jahr sogar noch übertroffen wird. Tatsächlich aber markiert der Boom der Neuabschlüsse in Wirklichkeit das Ende der goldenen Bausparerjähre. Denn zu Lasten potenter Großkunden und gutsituierter Schnellsparer "hat sich die soziale Schichtung der neuen Bausparer weiter zugunsten der wirtschaftlich Unselbständigen verschoben", heißt es im Bundesbankbericht.

Mit der Kürzung der Wohnungsbauprämie und der Einführung von Einkommensgrenzen von 24 000 Mark für die Gewährung der Prämie an Alleinstehende und 48 000 Mark für Verheiratete verlor Bausparen für viele zahlungskräftige Kunden seinen Reiz. Zwar schaffte die Anhebung der Höchstbeträge für die im Rahmen der Einkommensteuer beschränkt abzugsfähigen Sonderausgaben einen gewissen Ausgleich für den Verlust der Prämie. Doch füllen meist andere Aufwendungen – insbesondere für Versicherungen – den vergrößerten Spielraum aus, so daß für Bausparverträge nichts übrigbleibt.

So ist um den verbliebenen Markt von Großanlegern und Schnellsparern prompt ein erbitterter Kampf entbrannt. Plötzlich neidete man einigen Instituten einen dort seit Jahrzehnten angebotenen Bauspartarif mit einem Guthabenzins von 2,5 und einem Darlehenszins von 4,5 Prozent (statt der üblichen drei und fünf Prozent) und forderte gleiches Recht oder Abschaffung des Tarifs.