Hervorragend

"That’s Jazz". Mittlerweile ist diese einzigartige Schallplatten-Sammlung beim Album Nummer 35 angelangt – trotz der großen Zahl eine Art von Kompendium des Jazz von seinen Anfängen an. Um die Vielfalt anzudeuten, genügt es schon, die soeben erschienenen fünf Platten (Nr. 31 bis 35) zu nennen: Duke Ellingtons "New Orleans Suite" (aufgenommen 1970); "Jazz begins" mit der "Young Tuxedo Brass Band" (1958); Les McCann & Eddie Harris mit "Swiss Movement" (vom Jazz-Festival in Montreux 1969); "Mountain In The Clouds" von Miroslav Vitous, der hier mit John McLaughlin, Herbie Hancock, Jack DeJohnette und anderen spielt (1969), und "More From The Last Concert", mit dem sich das Modern Jazz Quartet 1974, nach zweiundzwanzigjähriger Existenz, verabschiedet hatte. Eigentlich macht zweierlei diese Serie preisenswert: Das ist die jeweils sehr persönliche musikalische Leistung, und das ist der dokumentarische Rang. "That’s Jazz" möchte man staunend so verdeutschen: Alles das ist Jazz! (WEA/Atlantic ATL 50 403 bis 407 U)

Manfred Sack

Hörenswert

The Everly Brothers: "The New Album". "The New Album" ist keine neue LP – die Brüder trennten sich schon vor Jahren, um ihre Solo-Karrieren weiter zu verfolgen –, sondern eine Zusammenstellung kürzlich wiedergefundener unveröffentlichter Songs, die als Single-Produktionen geplant waren, merkwürdigerweise aber nie herauskamen. Merkwürdig deswegen, weil ein halbes Dutzend dieser Songs geradezu klassische Everly-Brothers-Nummern sind, so perfekt in Arrangement und Produktion wie etliche der bekanntesten Hits des Duos. (Warner Bros. WB 56 415)

Kurios

Leonard Cohen: "Death Of A Ladies Man". Ein abstrus überproduziertes und -arrangiertes klangliches Desaster. Leonard Cohen ließ sich auf geschmacklose und ästhetisch alles andere als zwingende Mischpultspielereien des Produzenten ein. Dabei gehören manche der Texte – darunter für meinen Geschmack sadomasochistische und ganz schön misogyn eingefärbte Beschreibungen von Liebesverhältnissen wie "Paper-Thin Hotel", das recht komische "Don’t Go Home With Your Hard-On" und die so miserabel arrangierte Titelnummer – sogar noch zu den besseren, die Cohen geschrieben hat Ein prinzipielles Mißverständnis, das Cohen-Fans nie begreifen werden, wird hier noch offenkundiger: Seine Texte sind nicht überzeugende Song-Lyrismen, als Literatur nicht ernst zu nehmen. (CBS 86 042)

Franz Schüler