Indiens Alltag Ende 1977: Teuerung, Unruhe, Ziellosigkeit.

Das Problem der Regierung Desai: Vergangenheitsbewältigung geht über tatkräftiges Handeln

Von Gabriele Venzky

Delhi, im Dezember

Am bleiernen Dezemberhimmel von Bombay stehen unbeweglich bunte Drachen. Winterzeit ist Drachenzeit in Indien. Die kleinen jungen lassen sie von den Hausdächern steigen. Geländer gibt es dort nicht. "Viele Kinder fallen einfach herunter, wenn sie Schritt für Schritt zurückgehen", sagt ungerührt eine Hausfrau. "Das ist normal hier."

Als normal nehmen es die untätigen Gaffer im Basar von Delhi auch hin, daß einer dicken Dame aus Gujarat vor einem Seidengeschäft die Handtasche gestohlen wird; "Früher war das so, und jetzt ist es wieder so", meint der Ladenbesitzer.

In der nahegelegenen Bank ist es nicht möglich, Geld zu wechseln. Die Schalter sind leer. Das Gebäude ist über und über mit Plakaten und Parolen beklebt. "Tja, Streik wie eh und je", heißt es, "kommen Sie heute nachmittag wieder."