Man muß schon richtig nachschlagen, um herauszufinden, ob dieser

Walter Henkels: "Keine Angst vor hohen Tieren"; Econ Verlag, Düsseldorf 1977; 360 S., 29,80 DM

nun das vierte, fünfte oder sechste umfangreiche Buch des Bonner "Hofchronisten" ist. Die politische Kapitale hält für ihn einen unerschöpflichen Fundus bereit, bietet ihm Stoff für einen unaufhörlichen Fortsetzungsroman. Davon macht er weidlich Gebrauch. Das Bonner Kaleidoskop wird zu immer neuen Konstellationen zurechtgeschüttelt. Und hin und wieder werden Anekdoten und Histörchen auch zu einer so reichlichen Konfektdose assortiert, daß man nach der Lektüre meinen kann, man habe zuviel genascht.

Ein Systematiker ist Henkels nicht, eher sprunghaft. Unverändert hält er es mehr mit der pointillistischen Methode, mit getupften Bildern von Personen und Sachen, die auch Unvereinbares dennoch vereinen, meistens in freundlichen Farben: Bonn in Aquamarin, Aber das ist häufig nur die Oberfläche. Denn grundiert werden viele Bilder von einem Ton, der auf eine stille, oft ironische und auch harte Weise insistiert. So leicht kommt Henkels keiner aus.

Er selber nennt sein Buch eine Sammlung von Schnappschüssen. Diesen für gewöhnlich harmlos als technische Vokabel gebrauchten Begriff kann man zuweilen wortwörtlich nehmen. Henkels schnappt und schießt auch – zum Beispiel gegen Franz Josef Strauß, den er nicht und der ihn nicht mag. Die Schilderung eines Abends, an dem der Bayer vom Alkohol überwältigt wird, ist gnadenlos, manche werden sagen schamlos, auch wenn Henkels diesen Schnappschuß dann in einem weiter gesteckten, differenzierenden Porträt auflöst, das Sprichwort "Eisern Vieh stirbt nie" zitiert oder schreibt "Das Schauspiel des Betrunkenen ist nicht ohne Größe" und schließlich endet: "Gott erhalte uns Franz Josef."

Täuscht der Eindruck, daß Walter Henkels überhaupt härter, schärfer geworden ist? Wenn es sich so verhält, dann ließe sich damit auch sein einigermaßen irritierendes Vorwort erklären, in dem er gleichzeitig angreift und abschwächt, trotzig beharrt und besänftigt. Doch selbst diese merkwürdige Mischung spiegelt das Bonn der jüngeren Jahre wider, in dem politischer Witz und Satire kaum noch gedeihen, das gegen Ironie und Sottisen ziemlich allergisch und auf eine wütige Weise ernsthaft geworden ist.

Aber wie auch immer: Die größere Härte bekommt Henkels. Dies ist sogar sein bestes Buch. Und gegen den abschließenden, fast testamentarischen Tenor seines Vorworts sei erwartungsvoll hinzugesetzt: sein bisher bestes.

Carl-Christian Kaiser