Bei Trunkenheit am Steuer erhöhen Führerscheinentzug oder steigende Strafmaße die Gefahr, daß Promille-Fahrer rückfällig werden. Diesen Schluß zog der Leiter des Medizinisch-Psychologischen Institutes beim TÜV Hannover, Dr. W. Winkler, aus sechsjähriger Therapieerfahrung. Wiederholte Schnapsfahrten kommen weniger unter Alkoholikern als unter den Problem- und Sozialtrinkern vor, deren Probleme durch Geldstrafen oder den Entzug der Fahrerlaubnis kaum je gelöst werden. So wurden nach dem ersten Delikt 36 Prozent der erwischten Fahrer erneut straffällig – und von diesen wiederum 30 Prozent auch ein drittes Mal. Seit 1971 beteiligen sich in Hannover Rückfalltäter, die zweimal ihre Fahrerlaubnis einbüßten, jedoch keine Anzeichen von Kriminalität oder Alkoholismus aufweisen, an Gruppengesprächen. In vier Sitzungen werden außer Informationen über die verharmloste Brisanz des gesellschaftlichen Schmierstoffs Äthanol auch Erfahrungen vermittelt, wie problemträchtige Situationen erkannt werden können – mit gutem Erfolg: Von 141 Patienten kollidierten während einer mittleren Behandlungszeit von 42 Monaten weniger als zehn Prozent, in einer Kontrollgruppe aber über zwanzig Prozent abermals mit dem Gesetz. Die Selbstkontrolle der Probanden läßt allerdings nach spätestens drei Jahren deutlich nach – ein Argumentfür eine zeitlich begrenzte Fahrerlaubnis.

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Gereinigtes Kollagen, das viele medizinische Anwendungsmöglichkeiten verspricht, vermögen Forscher der Stanford-Universität im US-Bundesstaat Kalifornien neuerdings herzustellen. Kollagen ist das wichtigste Gerüst-Eiweiß aller höheren Tiere, es macht etwa 60 Prozent des Körperproteins aus. Die amerikanischen Forscher entwickelten eine Methode, Tierkollagen zu verflüssigen und die Teile der Moleküle zu entfernen, an denen der Stoff vom Körper als fremdes Eiweiß erkannt wird. Das verflüssigte Kollagen wird daher nicht abgestoßen, sondern vom Körper einbezogen: Innerhalb von zwei Wochen wird es von Körperzellen durchdrungen und mit Blut versorgt, so daß es bald nicht mehr vom natürlichen Gewebe zu unterscheiden ist. Drei mögliche Anwendungsbereiche sind bisher näher erforscht: Eingespritzt unter die Haut korrigiert Kollagen langfristig Schönheitsdefekte und verspricht neue Möglichkeiten für die plastische Chirurgie; Kollagen kann verbrannte Hautteile bedecken und damit schützen, bis es angewachsen ist; beschädigte Nerven, die mit Kollagen umhüllt werden, wachsen mit größerer Zuverlässigkeit wieder zusammen als mit bisher angewendeten Methoden. In Zukunft sollen Körperteile aus Kollagen an Stelle fremder Organe implantiert werden: Herzklappen, Sehnen, Gehirnhaut, Teile des Auges, Knorpel und sogar Knochen.

Einen Rückgang in der Zahl der Kuranträge registrierte die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) während der vergangenen Jahre. Wie der Verband der Privaten Krankenversicherungen e. V. mitteilte, gehen 3,2 Prozent aller Angestellten zur Kur – ganz im Gegensatz zu jenen 10,3 Prozent BfA-Mitarbeiter, die im Jahr 1975 die hauseigenen Kuren in Anspruch nahmen. Seit 1961 sorgen im Durchschnitt stets doppelt so viele BfA-Mitarbeiter als gewöhnliche Versicherte dafür, daß ihre Erwerbsfähigkeit im Sinne der Reichs-Versicherungs-Ordnung "wesentlich gebessert oder wiederhergestellt werden kann".