Auf den Wertpapiermärkten herrscht bereits Abschluß-Ruhe. Nur in Ausnahmesituationen sind die institutionellen Anleger noch bereit, ihre Bestände zu verändern. Das ist auch der Grund, warum der Aktienmarkt auf die letzte Diskontsenkung kaum reagiert hat. Das mag aber im Januar nachgeholt werden. Ob die Kurse jedoch tatsächlich steigen, hängt nicht zuletzt von der Dollar-Entwicklung ab. In den Börsensälen kursiert das Wort, wonach Abwertungen die moderne Form des Handelskrieges sind. Und in einem solchen Zustand kann auf die Dauer kein Aktienmarkt gedeihen. Auch der amerikanische nicht, weil das Verhalten der US-Regierung auf die Dauer Reaktionen hervorrufen wird.

Eine große Enttäuschung für manche Spekulanten ist die Art, wie die Neuordnung der Besitzverhältnisse bei den Chemischen Werken Hals vorgenommen wird. Viele Börsianer hatten sich eine Abfindung für die freien Aktionäre der Chemie-Verwaltung (Großaktionär von Hüls) versprochen. Der Kurs stieg daraufhin auf 320 Mark, jetzt ist er auf 246 Mark gefallen. Eine arge Enttäuschung zum Jahresende!

Der Rentenmarkt profitierte weniger von der Diskontsenkung als vielmehr von der auf 100 Prozent erhöhten Mindestreserve für Auslandsguthaben. Nicht wenige Ausländer konnten jetzt zum Erwerb inländischer Renten überredet werden. Das hatte zur Folge, daß die letzte sechsprozentige Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit nun endlich um ein paar Pfennige über ihren Emissionspreis hinausgekommen ist. Insgesamt scheint der Rentenmarkt das Jahr mit Höchstkursen beschließen zu wollen.

Das Publikum ist für den Rentenerwerb kaum zu erwärmen. Für den privaten Sparer bleiben der Bundesschatzbrief und ähnliche Papiere des Kreditgewerbes die großen Renner. Beim Bundesschatzbrief ist eine neue Serie mit verschlechterten Zinsbedingungen zu erwarten. K. W.