Bonner Programm

Die Bundesregierung hat in der vorigen Woche ihr fortgeschriebenes Energieprogramm veröffentlicht. Danach wird der Kohle Vorrang eingeräumt; die Sparmaßnahmen sollen verstärkt werden und ein begrenzter Ausbau der Kernenergie möglich sein. Wieviel Kernkraftwerke zu bauen sind, wird nicht gesagt; Bundeswirtschaftsminister Graf Lambsdorff hob aber vor der Presse hervor, daß der Preisvorteil des Kernstroms besonders im Grundlastbereich berücksichtigt werde. Drei wissenschaftliche Institute kommen in einer Beilage zu dem Schluß, daß bis 1985 rund 24 000 Megawatt Kernenergie-Leistung installiert sein werden.

Entsorgung

Die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung und das Kernforschungszentrum Karlsruhe haben eine Entwicklungsgemeinschaft für die Tieflagerung radioaktiver Abfälle gegründet. Zum Programm gehören auch vorbereitende Versuche, für hochradioaktive Abfälle und eine Erprobung von Methoden, die Abfälle auch in anderen geologischen Formationen – also nicht nur in Salzstöcken – unterzubringen.

Die Schweizer Gemeinde Lucens (nördlich von Lausanne) hat ein Atommüllzwischenlager auf dem Gelände eines stillgelegten Kernkraftwerkes in einer Volksbefragung abgelehnt.

Kraftwerke/Uran

Eine Explosion auf dem Gelände des Atomkraftwerkes Millstone Point (Waterford im US-Bundesstaat Connecticut) hat in der vorigen Woche eine noch unbekannte Menge Radioaktivität freigesetzt. Die Ursachen des Unglücks sind noch unbekannt.

Der australische Gewerkschafts-Dachverband Actu hat seine Mitglieder zum sofortigen Boykott aller Uran-Exporte aufgerufen. Actu wünscht eine Volksabstimmung über Uran-Lieferungen ins Ausland; die im Amt bestätigte Regierung Fraser lehnt dies ab. Sie will notfalls Soldaten einsetzen, um ihren Lieferverpflichtungen an Japan nachzukommen.