Daß einer von zwei Streithähnen seinem Gegner finanziell Schützenhilfe leistet, dürfte zu den Kuriositäten zählen. Geschehen ist dies mit einer Werbebroschüre des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung e. V., in der das profitable Geschäft mit deutschem Erdöl und Erdgas verteidigt wird. Während die einen an der Ausbeute erheblich verdienen und sogenannte "Windfall-Profits" scheffeln, versucht die andere Seite, die nicht an der lukrativen Ausbeute deutscher Felder beteiligt ist, den Staat zur Abschöpfung der durch den extrem gestiegenen Ölpreis und, die geringen Förderkosten entstehenden Zufallsgewinne zu bewegen.

Obwohl zu den letzteren "Habenichtsen" auch die deutsche Veba zählt, finanzierte sie die Werbebroschüre indirekt mit. Unter den Herausgebern befindet sich nämlich auch ihre Konzerntochter Deminex (54 Prozent Veba-Anteil), die ebenfalls nicht an den deutschen Windfall-Profits partizipiert. Die Deminex, die dem Verband angeschlossen ist, wußte indes nichts von der Broschüre. "Die haben sie uns vorher nicht gezeigt", gesteht Deminex-Sprecher Peter Schweinhage. Das Dementi der Lufthansa ist noch nicht einmal ein halbes Jahr alt, da gilt es schon nicht mehr. Einige "Jumbos" der Gesellschaft werden Anfang 1978 doch zehn Sitze in einer Reihe und nicht mehr, wie bisher, neun haben.

Die Personalvertretung hatte im Juli in einem offenen Brief an den Vorstand zu solchen Plänen bemerkt, "daß unser Arbeitsplatz – nämlich Küche und Kabine – dermaßen eingeengt wird, daß uns letztlich nur noch die Flucht auf die Tragflächen übrigbleibt".

Der Vorstand nahm sich fünf Monate Zeit, ehe eine Antwort formuliert war. Sie enthält Tröstliches für die Flugbegleiter: Die Gangbreite liege mit 41 cm schließlich noch 3,5 cm über der gesetzlich geforderten Mindestbreite. Und außerdem würden außer Swissair und South Africa Airline die meisten Konkurrenten schon längst mit zehn Sitzen pro Reihe fliegen. Lufthansa müsse zur Ertragsverbesserung die Chance, mehr Passagiere im Jumbo unterzubringen, nutzen.

Das Argument der Ertragsverbesserung wird selbst von Kritikern akzeptiert; denn nach der echten oder unechten, Terrordrohung sind die Buchungszahlen so zurückgegangen, daß, wenn die Äußerungen vom Vorstandsvorsitzenden Herbert Culmann nicht täuschen, Lufthansa 1977 gerade noch einen Verlust vermeiden kann.

*

Trotz der Billig-Bücher-Konkurrenz von Kaffeeröstern, Supermärkten und anderen branchenfremden Anbietern: Auch im klassischen Sortimentbuchhandel gibt es noch große Wachstumschancen. Zwar müssen sich 1977 vor allem kleine Buchhandlungen in der Provinz mit Umsatzsteigerungen von vier bis fünf Prozent zufriedengeben; doch einfallsreiche Sortimenter erreichen durchaus noch zweistellige Zuwachsraten.