Düsseldorf

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Heinz Kühn, dem Kritiker vorwerfen, er ziehe sich immer mehr in den "Elfenbeinturm hoher Staatskunst" zurück und überlasse die Niederungen der Tagespolitik seinen Ministern, trifft Vorsorge für festliche Tage. Ehe der seit elf Jahren amtierende NRW-Lotse 1980 – oder eventuell auch schon früher – von Bord geht, will er als Ordensstifter in die Annalen eingehen.

Über seine Ordenspläne setzte Kühn Springers Bild ins Bild. Auf dem Block eines Reporters skizzierte er ein Johanniterkreuz – acht Zacken und in der Mitte eingelassen das grün-weiß-rote Landeswappen: den stilisierten Rheinstrom für das Rheinland, das springende Westfalenroß für Westfalen und die lippische Rose.

Obwohl nach drei Kabinettsberatungen ein weiterer Auftrag vergeben wurde, scheint dem Sozialdemokraten Kühn ein Vorhaben zu glücken, das seinem christdemokratischen Amtsvorgänger Franz Meyers lediglich Presseschelte und bissige Karikaturen eintrug: verdiente Nordrhein-Westfalen mit zackigen Landesehren auszustatten.

An einem eigenen Brustschmuck haperte es bislang in dem 17 Millionen Einwohner zählenden Bundesland, das am 17. Juli 1946 per Pressemitteilung von den Briten unter der Bezeichnung "North-Rhine-Westphalia" in die Welt gesetzt worden ist. Um das Gebilde von Besatzungsgnaden zusammenzuschweißen und nordrheinwestfälisches Landesbewußtsein zu wecken, hatte sich bereits Meyers in seiner Ära als Regierungschef Gedanken über Ordenskreuze gemacht. Er ließ das große Staatswappen entwerfen, das die heraldischen Symbole aller historischen Territorien des Bindestrichlandes vereinigte und gab einen Landesverdienstorden in Auftrag, den die lippische Rose zieren sollte.

Meyers Initiativen scheiterten jedoch im Düsseldorfer Landtag am Widerstand aller Fraktionen. Rückblickend meint der ehemalige Regierungschef und heutige Präsident der "Deutschen Gesellschaft für Freizeit", daß die Vorstöße "meinem Image nicht gerade förderlich waren". Daß Orden eine staatsintegrierende Funktion haben, glaubt Meyers hingegen noch heute. Zwar besagten demoskopische Untersuchungen, daß 95 Prozent, der Bevölkerung gegen Orden und Ehrenzeichen seien, "aber mir sind immer nur die anderen fünf Prozent begegnet", meint der Ministerpräsident a. D., getröstet mit dem Ehrenring der Stadt Düsseldorf und Träger des bayerischen Verdienstordens mit Rauten auf dem Malteserkreuz.

Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und das Saarland gehören zu jenen Bundesland dern, in denen sich die Anerkennung des Landes für Verdienste um das Land schon lange in Orden niederschlägt. Nordrhein-Westfalen hingegen kann Meriten dieser Art bislang nur mit einem Professorentitel ehrenhalber oder einer Rettungsmedaille belohnen. Doch welches Ehrenzeichen verleiht man einem Abgeordneten, der mit 28 Jahren in den Landtag einzieht, dort zwei Legislaturperioden bleibt und mit 38 Jahren "aus nichtverschuldeten Gründen" ausziehen muß? Auf diese Frage wußte die Ordensabteilung in der Staatskanzlei bislang keine Antwort. Zu jung, um für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen zu werden, sollen von derartigen politischen Wechselfällen Betroffene künftig mit einem Landesehrenzeichen aufgewogen werden.

Ehe Nordrhein-Westfalen zur, Auszeichnung schreiten kann, sind indes noch einige strittige Punkte zu klären: Wird ein einstufiger Halsorden kreiert, "dem", so der zuständige Ordensreferent in der Staatskanzlei, "der Geruch anhaftet, er könne nur zum Frack getragen werden", oder entschließt man sich zur Schaffung mehrerer Stufen und führt das Prinzip des "Höherdienens" auf der Ordensleiter ein? Bei der Auflage sieht man schon klaren Man will sich bei der Vergabe des Achtzacks am Modell Bayern orientieren, wo insgesamt 2000 Ehrenzeichen im Umlauf sind, denn keinesfalls soll das Johanniter-Kreuz wie ein Karnevalsorden gehandelt werden. Rosemary Callmann