Seit Jahren redet alle Welt von der Energie-Einsparung. Doch den großen Worten folgen zumeist recht kleine Taten – nicht nur in der Bundesrepublik

Seit nunmehr vier Jahren redet alle Welt davon, daß wir, die Bewohner der industrialisierten Länder, dringend Energie sparen müssen, wenn wir nicht an unserer Maßlosigkeit zugrunde gehen wollen. Die Bundesrepublik, die USA, Japan, Frankreich, Italien: Sie alle würden ihren Reichtum und ihre Prosperität nur dann über den Rest des Jahrtausends retten können, wenn sie mit den begrenzten Ressourcen an fossiler Energie weniger verschwenderisch umgingen, als sie es bislang gewohnt waren. Das wissen wir spätestens seit der sogenannten Ölpreis-Krise von der Jahreswende 1973/74.

Doch es ist erschreckend, wie wenig von diesen Einsichten und Vorsätzen verwirklicht worden ist. Selbst in der Bundesrepublik, die immerhin noch als Vorbild auf dem Gebiet der Energie-Einsparung gilt, fällt es schwer, Sparmaßnahmen von größter Plausibilität durchzusetzen:

  • Die Annahme des von der Bundesregierung vorgeschlagenen Programms zur Förderung energiesparender Investitionen, mit dem Hunderttausende von Haushalten und zahlreiche vor allem mittelständische Unternehmer bereits fest gerechnet hatten, schien noch Anfang dieser Woche fraglich, weil sich ein Provinzpolitiker namens Ernst Albrecht in den Kopf gesetzt hatte, statt dessen lieber etwas für die Krankenhaus-Investitionen zu tun.
  • Und die Abschaffung jenes überkommenen Stromtarifs, der die privaten Haushalte für zu hohen Stromverbrauch belohnt, statt sie zu bestrafen, findet das Mißfallen fast aller maßgeblichen Landespolitiker – sei es, weil sie nicht als unsozial gelten wollen, oder sei es, gar, weil sie es als Aufsichtsratsmitglieder ihres regionalen Elektrizitätswerks verlernt haben, gelegentlich einmal nicht in betriebs-, sondern in volkswirtschaftlichen Kategorien zu denken.

Zur deutschen Kleinkariertheit gesellt sich, weltweit, eine noch viel größere Unfähigkeit, sparsam zu sein. Sie zeigt sich besonders kraß am Beispiel des ehrgeizigen Sparprogramms des amerikanischen Präsidenten, das, soweit es nicht von beiden Häusern des Kongresses in Washington abgeschmettert wurde, nunmehr im Vermittlungsverfahren zwischen Senat und Repräsentantenhaus vollends zerrieben zu werden droht.

Die Amerikaner, die, mit nur fünf Prozent der Weltbevölkerung, dreißig Prozent der in der Welt erzeugten Energie verbrauchen, die für eine Einheit ihres Sozialprodukts dreimal soviel Energie einsetzen wie die auch nicht eben zurückhaltenden Deutschen, die, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Ansprüche zu finanzieren, eine Dollar-Schwäche produziert und die Schwäche der Weltwirtschaft verstärkt haben – die Amerikaner sind offenbar nicht imstande, diesen fatalen Kurs zu ändern. Sie geben vielen kleineren Nachbarn ein schlechtes Beispiel – das denn auch oft genug eifrig befolgt wird.

Der Mangel an Sparsamkeit hat sich in dramatischen Zahlen niedergeschlagen. Die Mehrbelastung durch Ölimporte erreichte allein für die USA in den Jahren 1973 bis 1976 26 Milliarden Dollar. Für die Briten machte sie vier, für Italien fünf, für Frankreich 7,5, für die Bundesrepublik 8,5 und für Japan 15,5 Milliarden Dollar aus – die Mehrzahl dieser Länder konnte die zusätzliche Belastung nicht ausgleichen.