In vielen hannoverschen Vorstadt-Kiosken war das Januarheft des Playboy schon am Sonnabendmittag vergriffen; regelrecht vergriffen. "Sonst liegen die Hefte länger", bestätigt ein Händler, "aber diesmal scheint es eine heiße Nummer zu sein."

Ein strebsames Mädchen aus Stöcken hat seinen Traumsprung geschafft. "Playmate of the Month" darf Cona Köneke sich nennen, vorgestellt mit allen Vermessungsdaten, farbig, hochglanzveredelt und ausklappbar. Nach dem "Fräuleinwunder" der sechziger Jahre, das vor allem in München, Frankfurt und Hamburg sichtbar geworden sein soll und angelsächsische Blätter überrascht hatte, kann nun auch das eigentlich "s-tocks-teife" Hannover seinen Anteil vorweisen.

Atemlos und vierspaltig berichtete die Hannoversche Allgemeine von diesem Erfolg. Daher das Verkaufsglück der Kioske. In der Goetheschule hatte der Reporter Cona besucht. Er wollte den Bürgern der Halbmillionenstadt den ausklappbaren Star porträtieren und Kunde von der Reaktion auf die wohlfeile Fleisch-Beschau geben. Ein schöner Werbeerfolg ist ihm gelungen.

Ein Dorf hat seine Sensation. Nun streitet es, ob das schick sei oder Schande. In der Wohnnachbarschaft der Könekes, das fand der Zeitungsmann heraus, rümpft mancher die Nase. Der Schuldirektor distanziert sich ein wenig vom "überzogenen Wirbel" um seine Primanerin und fragt nach ihrem Fortkommen und Ansehen. Ein Mitschüler hat dem Reporter lässig sein fachkundiges Urteil in den Block diktiert: "Gut ist die Cona, aber ich kenne andere mit mehr Busen." Auch der stolze Gefährte der Siebzehnjährigen wurde gehört, der Ruhm des Farbdrucks glänzt auch für ihn. Die Hannoversche Allgemeine schreibt: "Ihr Freund... hält es durchaus für sinnvoll, "daß Cona etwas aus ihrem body macht‘."

Die zehn Seiten in dem Herrenheft verdankt das hannoversche Mädchen der Entdeckung durch einen Pariser Photographen. Das mußte so kommen, dafür haben die Könekes schon gesorgt. Die Eltern haben den Erfolg geschmiedet. "Die beiden kennen das Metier", hat der Berichterstatter aus dem Lokalen festgestellt, "denn Marlis und Atty Köneke arbeiten selbst in der Photo- und Modebranche. Werbung, Modenschau, bei Könekes in Stöcken gehen Photographen ein und aus."

Herr und Frau Köneke "sind sichtlich stolz auf die Meisterleistung, die ihre sportliche Tochter mal mit und mal ohne zeigt". Sie finden das alles wunderbar, besonders das Honorar. Gern lassen sie sich mit ihrer schmucken, dann aber bekleideten Tochter auch für die Hannoversche Allgemeine ablichten, mit Chow-Chow und Söhnchen; gratis, versteht sich. Geschäft ist Geschäft, und das soll ja für alle weitergehen. Die Playboy-Postille, die eher für Marzipan und Zahnpasta zu werben scheint als für Weiblichkeit, kann nur ein Anfang sein; ein spektakulärer, zugegeben, zumal in Hannover.

Cona Köneke will nach dem Abitur Photomodell werden, hat sie gesagt, und gern immer im Süden leben. "Da sind die Leute so Klasse", schwärmte sie, "irgendwie ausgeflippt und ganz prima angezogen/

Joachim Holtz