Von Alfonso Comin

Professor Alfonso C. Comin, Jahrgang 1933, ist ein bekannter Schriftsteller und der prominenteste Katholik im Exekutiv-Komitee der spanischen Kommunistischen Partei. Er lebt in Barcelona.

Seit meiner Rückkehr aus Ostberlin sind schon zwei Wochen vergangen. Dennoch bleiben mir die Reise, der dreitägige Aufenthalt und die Folge scheinbar unbedeutender Ereignisse im Gedächtnis haften. An meinem Auge ziehen hellbeleuchtete nächtliche Landschaften vorbei, Budapest, Berlin oder der Start bei klarem Licht in Prag. Jede Zwischenlandung war mit Daten verbunden, die ein mit allen Demokratisierungsversuchen sozialistischer Revolutionen solidarischer Kommunist nur schwer aus dem Gedächtnis verbannen kann: Berlin 1953, Budapest 1956, Prag 1968.

Ich ging durch die Straßen Ostberlins und bewunderte den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt. Warum nicht? Den beeindruckenden Fernsehturm, Epizentrum des neuen urbanen und kommerziellen Stadtkerns. Ich kam bis zum Brandenburger Tor und stand wie gelähmt vor der Mauer, bevor ich meine Überlegungen über die DDR weiterführen konnte.

Ich dachte voller Sorge an den drohenden wachsenden Autoritarismus in Westdeutschland, an die Möglichkeit eines neuen Neonazismus (der ganz Europa erschüttern kann) als letzte Konsequenz der repressiven Praktiken: Gerichtsverfahren und Prozesse nach kafkaschem Mutter, geheimnisvolle Selbstmorde, gefährliche Auswirkungen des Berufsverbotes. Hier, vor der Mauer, erinnerte ich mich an das Klima der Hysterie aus Anlaß der Entführung und Ermordung des Magnaten Schleyer.

Ich kehrte zurück in die Konferenz. Man hatte mich zur Teilnahme an der 6. Sitzung der Berliner Konferenz (BK) eingeladen. Diese "Konferenz der Katholiken europäischer Staaten in Berlin" wurde 1964 gegründet und versteht sich als "ein permanentes politisches Forum für Katholiken aus ganz Europa, für Demokraten und sozial Engagierte, deren Ziel darin besteht, über die Aktionen von Katholiken für den Frieden und die soziale Gerechtigkeit zu reflektieren und sie zu koordinieren". Etwa 250 Personen aus 25 Ländern Europas und einige Repräsentanten aus Lateinamerika nahmen an dieser Sitzung teil, darunter auch Bischöfe aus Osteuropa.

Bei der Einreise hatte mich ein Polizist der Paßkontrolle dreimal angeschaut, um sich der Identität meiner Physiognomie zu versichern. Ich wußte sofort, daß seine sorgfältige Prüfung symbolisch war. Im Sitzungshotel teilte mir die Leitung der BK mit, daß es "Probleme" bei meinem Visum gegeben habe. Das einzige spanische Visum mit Problemen ... weil ich Christ und Kommunist bin.