Über das Wann sind sich Geowissenschaftler schon einig, über das Wo rätseln sie noch immer: Vor etwa 200 Millionen Jahren begannen Amerika und Afrika auseinander zu driften, doch niemand vermochte bislang den Ort zu lokalisieren, an dem die Kontinentalverschiebung startete. Jetzt will Professor Karl Hinz von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover die Trennstelle rund 150 Kilometer vor der marokkanischen Nordwestküste bei der 46. Fahrt des Forschungsschiffs "Meteor" gefunden haben.

Die Narbe in der Erdkruste, vor etwa 220 Millionen Jahren im frühen Erdmittelalter entstanden, präsentierte sich den Wissenschaftlern unübersehbar. Westlich der Störungszone (zur Atlantikmitte hin) fanden sie relativ dünne, "ruhig liegende" ozeanische Ablagerungen, während Sedimente zum afrikanischen Festland hin wesentlich dicker und stark gestört sind.

Ein weiteres Indiz für die alte Bruchzone fand das Hinz-Team bei der Messung der Erdkrustenmächtigkeit: Westlich der Störungszone beginnt der sogenannte Erdmantel in 15 Kilometer Tiefe, während östlich davon die Grenzschicht zwischen Kruste und Mantel viel tiefer und damit außerhalb der Reichweite der Meßgeräte an Bord der "Meteor" liegt. Aus früheren geophysikalischen Messungen wissen die Forscher jedoch, daß die Erdkruste unter den Kontinenten etwa 30 Kilometer, mächtig ist, während sie unter den Weltmeeren schon in durchschnittlich zehn Kilometer Tiefe in den heißen Erdmantel übergeht. Messungen des Erdmagnetfeldes bestätigten zusätzlich das geologische Störungssystem vor Marokko. Wie lang das Störungssystem ist, weiß noch niemand, da Hinz erst rund 150 Kilometer Bruchzone sicher nachweisen konnte. KT

Die Vorstellung, daß die tiefen Regionen der Meere im wesentlichen nur, von Mikroben und Kleinstlebewesen bevölkert sind, ist falsch. Auch dort gibt es reiches Fischleben. Diese selbst für Experten überraschende Tatsache belegten nun amerikanische Wissenschaftler vom Ozeanographischen Institut in Woods Hole im Bundesstaat Massachusetts mit mühsam gesammelten Daten.

Der Ort ihrer Beobachtungen war der tiefe Westatlantik südlich von Neufundland. Dort fing das Forscherteam in verschiedenen Tiefen Fische und wertete dann die Erträge von 116 Probefängen wissenschaftlich aus. Erstaunlicherweise nahm die Dichte aller Lebewesen pro Raumeinheit – die "Biomasse" – bis zu einer -Tiefe von über 2000 Meter kaum ab. Noch stärker verblüffte die Größe der gefangenen Fische: Das durchschnittliche Gewicht eines Fisches nimmt mit der Tiefe zu. Während ein in 500 Meter Tiefe lebender Fisch im Mittel nur etwa 50 Gramm wiegt, erreichen Meeresbewohner in 2000 Meter Tiefe das zehnfache Durchschnittsgewicht.

Natürlich ist die Entdeckung der Meeresforscher nicht nur von akademischem Interesse. Denn durch die Entwicklung von Tiefseefangmethoden und die Ausrüstung von Unterwasserfangflotten könnten Überfischung und Raubbau der oberen Wasserschichten abgewendet werden, ohne daß Fangerträge reduziert werden müßten.

HG