Die Konzentration auf dem Reisemarkt hat sich in den vergangenen Jahren immer mehr verstärkt. Zwischen den großen Blöcken, die entstanden sind, ist es für die Kleinen schwierig geworden, im Tritt zu bleiben, vor allem, wenn es um Rationalisierung und Technisierung ihrer Betriebe geht. Intensive Zusammenarbeit heißt hier die Alternative, zu der sich einige der namhaftesten Studienreiseveranstalter entschlossen haben.

Die Arbeitsgemeinschaft Studienreisen (AS) hat acht Mitglieder (Athena, Hamburg; Akademische Studienreisen, Heidelberg, Karawane Studienreisen, Ludwigsburg; Frankfurter Studienreisen, Hofheim; Internationale Studienreisen, München; Marco Polo Reisen, Kronberg; Studienfahrten Prof. Kutscher, München; G. Meiners, Oettingen), die alle unabhängig von ihrer Größe gleichberechtigt sind. Deshalb gibt es auch keinen Sprecher oder Vorstand. "Wir wollen nicht den Eindruck entstehen lassen", sagt Wolfgang Schwotzer, Geschäftsführer bei Marco Polo, "daß irgendeiner von uns acht führend ist. Wir haben uns stets als Mitbewerber und nicht als Konkurrenten betrachtet."

Das gemeinsame Selbstverständnis formuliert Engelbert Haas, Geschäftsführer bei den Frankfurter Studienreisen, so: "Besonders sorgfältig, unter Wissenschaftlichen Aspekten zusammengestellte Programme, kleine Gruppen mit maximal 30 Teilnehmern, wissenschaftliche Reiseleitung, Transport in Linienmaschinen und Unterbringung in führenden Hotels."

Diese Maximen werden so ernst genommen, daß beispielsweise einer der größten Studienreiseveranstalter in der Bundesrepublik, Studiosus, nicht Mitglied werden konnte. Gerhard Vetter, Geschäftsführer bei dem Münchener Unternehmen meint dazu: "Wir legen eben mehr Wert auf landeskundliche als auf wissenschaftliche Reiseleitung. Wir gestalten unsere Reisen populärer, und wir sind bei den Hotels nicht auf Luxus, sondern auf Preisgünstigkeit aus."

Die AS ist also ein ziemlich exklusiver Verein, der im Augenblick auch keine neuen Mitglieder mehr aufnimmt. "Daß die Verwirklichung unserer Zielsetzung etwas kostspieliger ist", heißt es in einem Pressetext, "liegt auf der Hand". Der Vorteil des Zusammenschlusses für die Studienreisenden, die sich einem der acht anvertrauen, besteht deshalb nicht etwa in Preisreduktionen,sondern in der größeren Sicherheit: Alle Mitglieder haben die Reisebedingungen des Deutschen Reisebüro Verbandes übernommen. Die im Reisepreis eingeschlossenen Versicherungen sind aufeinander abgestimmt und verbessert worden. Es erhöht sich außerdem die Wahrscheinlichkeit dafür, daß ausgeschriebene Reisen auch wirklich stattfinden werden. "Wir hätten manche Reise absagen müssen, wären nicht Buchungen von anderen Mitgliedern hinzugekommen", sagt Engelbert Haas, "weil wir die Mindestteilnehmerzahl allein nicht zusammenbekommen hätten."

Die acht AS-Mitglieder unterstützen sich auch gegenseitig, indem einer des anderen Reisen, die sein eigenes Programm ergänzen, mit anbietet. "Dies bedeutet jedoch nicht die Aufteilung der Welt", jedoch Schwotzer. "Wir sprechen uns nicht über Zielgebiete ab. Jedes Unternehmen ist bei der Programmgestaltung unabhängig. Allerdings bat eine gewisse Spezialisierung auf verschiedene Zielgebiete schon vor dem Zusammenschluß bestanden."

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Studienreisen erwarten für das Jahr 1978 rund 35 000 Teilnehmer, die ihnen einen Gesamtumsatz von 85 Millionen Mark einbringen sollen.

Ulla Schickling