Ein ZEIT-Gespräch mit Horst Herold,

ZEIT: Herr Herold, der spektakuläre Erfolg des GSG-9-Kommandos in Mogadischu hat ein wenig die Tatsache vergessen lassen, daß die Polizei nach den Morden an Siegfried Buback, Jürgen Ponto und Hanns-Martin Schleyer bislang noch kaum Fahndungserfolge aufzuweisen hat. Zeigt dieses Ergreifungsdefizit eine Schwäche der Zentralstelle?

Herold: Die Ergreifung ist nicht allein die Sache des Bundeskriminalamtes. Das BKA hat aber entscheidend daran mitgewirkt, die Mörder, von Buback, Ponto und Schleyer überhaupt zu ermitteln. Nur wenn man die Täter kennt, kann man nach ihnen fahnden. Bei Kapitalverbrechen solcher Dimension hat die Aufklärung selbst oft Jahre gedauert – denken Sie an die Lindbergh-Entführung, den britischen Postraub oder etwa den Fall Oetker. Daß sechs Wochen nach den Morden die Täter der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten – und dies mit Beweisen, die der Generalbundesanwalt für überführungsreif hält –, wird von ausländischen Kollegen als eine herausragende polizeiliche Leistung gewürdigt.

ZEIT: Dennoch stößt die Ergreifung offenbar doch auf erhebliche Schwierigkeiten.

Herold: Immerhin sind seit der Ermordung Bubacks von der deutschen Polizei 21 Personen aus der Terroristenszene festgenommen worden, eine Tatsache, die dem öffentlichen Bewußtsein offenbar entglitten ist. Lassen Sie mich im übrigen ergänzend hierzu sagen, daß die Masse aller flüchtigen Terroristen noch immer mit Haftbefehlen der Länder gesucht wird, zum Teil seit Jahren. Darunter sind sieben Täter, nach denen nun auch das Bundeskriminalamt wegen der jüngsten Gewaltverbrechen fahndet

ZEIT: Die Welt hat unlängst einen vehementen Angriff des bayerischen Innenministeriums

gegen das Bundeskriminalamt publik gemacht: Alle namhaften terroristischen Gewaltverbrecher, die bisher überhaupt gefaßt werden konnten, seien von den Länderpolizeien gefaßt worden, ohne daß konkrete Hinweise aus dem Bundeskriminalamt vorgelegen hätten. Die einfache Benennung von Tatverdächtigen könne von Ihnen nicht als Leistung verbucht werden, sondern sei eine Routineangelegenheit.