Der Anstieg des deutschen Aktienindex um etwa acht Prozent in diesem Jahr hat den Kreis der, Aktien-Interessenten ausgeweitet. Das gab es bei gleicher Situation auch in früheren Zeiten. Sobald aber dann die ersten Rückschläge zu verkraften waren, verlor ein Teil der "Neulinge" den Mut – und den Glauben an die eigenen spekulativen Fähigkeiten. Übrig blieb meist ein Groll gegen die Banken, die angeblich falsche Ratschläge erteilt hatten. Läßt sich die Aktienanlage lernen? Kann man sich von Ratgebern unabhängig machen?

Jedes Jahr, meine verehrten Leser, erscheinen Dutzende von Büchern, die ihren Lesern das kleine und auch große Börseneinmaleins beibringen wollen. Diese Literatur leidet darunter, daß sie – wenn sie auf den Markt gekommen ist – bereits unaktuell zu werden beginnt. Autoren, die dies wissen, versuchen deshalb, sich auf "allgemeingültige Regeln" zu beschränken oder eigene Erfahrungen an die Leser weiterzugeben. Wobei dann die Frage offenbleibt, ob diese Erfahrungen überhaupt verwertbar sind.

Das ist auch der Grund, warum ich Hemmungen habe, Bücher dieser Art zu empfehlen, besonders solchen Leuten, die nach einer Einführung in das Wertpapiergeschäft suchen. Sicher, es gibt auf diesem Felde eine Menge technischer Dinge, die man einfach beherrschen muß, um die Ereignisse auf dem Wertpapiermarkt, an der Börse mitverfolgen zu können. Aber es genügt eben nicht nur, einen Kurszettel lesen zu können oder über die Höhe der beim An- und Verkauf von Effekten anfallenden Spesen Bescheid zu wissen. Parallel dazu ist vor allem eine Beschäftigung mit der politischen und wirtschaftlichen Großwetterlage erforderlich.

Gemessen am Aktienindex war der Aktienbesitz während des vergangenen Jahrzehnts eine schlechte Anlage. Der 1969 erreichte Höchststand ist auch in diesem Jahr nicht erreicht, geschweige denn überschritten worden. Nun aber zu behaupten, Aktien seien kein geeignetes Anlageinstrument, ist falsch. Aktien sind eben keine Daueranlage. Man muß sie auch verkaufen können.

Natürlich ist der Aktienan- und -verkauf Spekulation. Aber ist das etwas Verwerfliches? Ich meine nein. Jeder hat das gute Recht, sein Geld so nutzbringend anzulegen, wie er es eben versteht. Immer wissend, daß ihm niemand die Verantwortung dafür abnimmt. Besonders dann nicht, wenn falschen Börsenpropheten nachgerannt wird.

Deshalb mein Rat: Lassen Sie sich niemals durch "Börsentips" zu spontanen Handlungen hinreißen. Es bleibt in jedem Fall Zeit genug, sich über die Beschaffung von Zusatzinformationen eine eigene Meinung zu bilden. Lassen Sie sich aber auch nicht durch noch so kluge Thesen "sachverständiger Autoren" zum Leichtsinn verleiten. "An der Börse kann man nur 100 Prozent verlieren, aber 1000 Prozent gewinnen!" – ein Spruch, der in den letzten Tagen im Zusammenhang mit der heißen Börsenspekulation in den Restquoten der ehemaligen deutschen Großbanken Furore macht. Er klingt hübsch, gleichwohl ist er töricht.

Aktien sind Risikopapiere. Und deshalb ist es falsch, wenn man sie als Ausgangspunkt für die Anlage der Ersparnisse nimmt. Manfred Gburek, gelernter Wertpapiermann und jetzt Börsenjournalist beim "Wertpapier", sieht das in seinem Buch "Von der Kunst, an der Börse reich zu werden" (Selbstverlag, Preis 29,50 Mark) anders. Er unterstellt den Kreditinstituten folgende Meinung: "Wir profitieren vom kleinen Mann am meisten, wenn wir ihn in das Korsett xyz stecken (vom Prämiensparen bis zum Vermögensaufbauplan), also drücken wir ihm den Stempel ‚mangelnde Wertpapierreife‘ auf und sind ihn fürs erste als lästigen Kleinspekulanten los."