Von Gerd Bucerius

Umschau am Abend", 9. Dezember. NDR-Journalist Rockmann interviewt den NDR-Intendanten Neuffer. Neuffer: meine (Bucerius’) Informationen seien "eigentlich zum Teil haarsträubend falsch". Ich rief Rockmann an, ob er mir Gelegenheit gäbe zu erwidern? Rockmann: "Da muß ich im Hause anfragen." Rockmann, wenige Stunden später: "Chefredakteur Hans Soltau hat das verboten." Darauf schickte ich dem NDR eine "Gegendarstellung", darin vor allem: "Alle von mir genannten Zahlen stammen aus Unterlagen, die der NDR selbst veröffentlicht hat." Der NDR lehnte ab, die Gegendarstellung zu verlesen. So mußte ich also zum Gericht; das ordnete durch Einstweilige Verfügung vom 16. Dezember an: Der NDR muß die Gegendarstellung bringen. – An den Intendanten schrieb ich:

"Lieber Herr Neuffer, aus einseitigen Gegendarstellungen (deren Richtigkeit ja nicht bewiesen zu werden braucht) kann sich die Öffentlichkeit über unseren Streit kein Bild machen. Deshalb schlage ich noch einmal eine Diskussion zwischen Ihnen (oder Ihrem Sachbearbeiter) und mir im Funk vor." Sie wird stattfinden: am 7. Januar 1978.

Am 9. Dezember schickte uns der NDR eine "Gegendarstellung". Sie entsprach nicht dem Hamburgischen Pressegesetz; also lehnte DIE ZEIT die Veröffentlichung ab. Nun beantragte der NDR eine Einstweilige Verfügung gegen uns; das Gericht lehnte sie aber ab. Darauf schickte der NDR eine zweite Gegendarstellung. Wir drucken sie; denn wir möchten unseren Streit mit dem NDR publizistisch und nicht mit Hilfe der 24. Zivilkammer des Landgerichts Hamburg ausfechten.

Zur Sache: Der Angegriffene soll Gelegenheit haben, in einer Gegendarstellung zu Wort zu kommen, gleichgültig, ob das, was er sagt, richtig ist oder falsch; so will es das Pressegesetz. Die Wahrheit muß sich in der Diskussion herausstellen.

Punkt 1 bis 3: Der NDR bestreitet meine Behauptung, er sei "schon seit Monaten überschuldet und daher konkursreif". Dazu:

a) Vor mir liegt die vom NDR veröffentlichte "Bilanz per 31. Dezember 1975". Sie weist eine Überschuldung von 22 862 677,25 DM (fast 23 Millionen) aus.