Von Teddy Preuß

ZEIT: Herr Minister, als Ihre Partei vor einem halben Jahr an die Macht kam, war die Rede von einem politischen Notstand, und man nimmt an, daß das auch ein Grund dafür war, daß die Partei des rechten Zentrums die Wahlen gewann. Notstand und eine weitgehende Liberalisierung der Wirtschaft, wie jetzt angekündigt, passen eigentlich schlecht zueinander.

Ehrlich: Israel ist seit seiner Gründung 1948 im Notstand. Hätten wir Friedenszeiten abgewartet, müßten wir mit der Liberalisierung noch lange warten. Im Oktober, als wir die Liberalisierung verkündeten, hatten wir noch keine Ahnung von Sadats neuer Politik, die hoffentlich zum Frieden führt. Damals sah es noch so aus, als käme der Frieden nur durch den Messias. Deshalb leiteten wir eine neue wirtschaftspolitische Politik, ein, die ja auch unserer ganzen liberalen Auffassung entspricht. Daß Sadat plötzlich ankam – nun, da hatten wir mehr Glück als Verstand.

ZEIT: Im vorigen Jahr verbesserte sich Israels Zahlungsbilanz um zwanzig Prozent, und in diesem Jahr zeigt sich eine weitere Verbesserung. Die alte Politik kann also nicht ganz so übel gewesen sein.

Ehrlich: Die Verbesserung hat hauptsächlich konjunkturelle Gründe. 300 Millionen Dollar sparten wir durch die Einschränkungen der Rüstungseinkäufe, weitere 300 Millionen Dollar wurden dadurch gespart, daß Rohstoffe aus den Lagerbeständen genommen wurden. Die Ausweitung unseres Exports hat uns hingegen nur eine Verbesserung der Zahlungsbilanz um 200 Millionen Dollar gebracht. Unsere Wirtschaft bedarf einer strukturellen Verbesserung, also mehr Rationalisierung in der Industrie, Aufhebung aller Subventionen – inklusive der Ausfuhrprämien.

Offen gesagt, unser Schritt war nicht so dramatisch, wie er aussah, denn der Kapitalimport ist im wesentlichen in den Händen der Regierung. Dazu gehören Schuldbriefe, die im Ausland verkauft werden, die amerikanische Unterstützung und Spenden vom Weltjudentum. Die Regierung hat also noch die Zügel in ihrer Hand.

ZEIT: Professor Milton Friedman, Ihr wirtschaftlichen Berater, sagte, Sozialismus sei dem jüdischen Geist fern. Sind Sie derselben Meinung?