DIE ZEIT

Inflations-Tief

Fast acht Jahre ist es her, daß die Inflationsrate in der Bundesrepublik zum letztenmal genauso niedrig war wie im Dezember 1977: 3,5 Prozent.

Kalorie adieu

Der Fortschritt fordert seinen Preis – und wer wollte leugnen, daß Harmonisierung – ob national, ob europäisch, ob international – allemal ein Schritt in die richtige Richtung sei? Den Völkern wurde dafür stets der Verzicht auf Vertrautes abverlangt, auf liebgewordene Eigenheiten wie Wert- und Maßsysteme, Gewichte und Münzeinheiten.

Hiob auf Reisen

Der amerikanische Präsident hat sich mit seiner Neun-Tage-Reise durch sieben Länder auf drei Kontinenten zu viel vorgekommen.

Zeitspiegel

Ohne Fanfaren und große Debatten, fast unbemerkt, werden die Vereinigten Staaten am 9. Januar um 184 Quadratmeilen größer: Mit den 16 Pazifik-Inseln der Nord-Marianen kommt zum erstenmal seit 60 Jahren ein neues Gebiet unter die Regierungsgewalt Washingtons.

Worte der Woche

"Der Bundesnachrichtendienst der BRD wirkt bei der Durchsetzung seiner Ziele unmittelbar mit westlichen Massenmedien und bestimmten in der DDR akkreditierten Journalisten zusammen.

Der Prozeß

Der Prozeß von Stuttgart-Stammheim gegen die Kernmitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe hat mit knapp zwei Jahren länger gedauert als seinerzeit der große Auschwitz-Prozeß in Frankfurt: Vom 21.

Bonner Haushaltsausschuß: Kasse macht sinnlich

Da saßen sie im Rechteck hinter ihren Handbibliotheken aus Statistiken, Haushaltsgesetzen und Stellungnahmen des Bundesrechnungshofes, Mitglieder des mächtigen Ausschusses als Bücherwürmer in rauchgeschwängertem Kunstlicht, Paragraphengesichter, faltig vor Fachverstand und Erfahrungen hintergründiger Machtkämpfe zwischen Parlament und Ressorts.

Sozialpolitik: Das Renten-Tonband läuft

Herbert Ehrenberg hat den Schleier der Diskretion, mit dem die Bundesregierung derzeit noch ihre Überlegungen zur weiteren Sanierung der Rentenversicherung verdeckt, um ein winziges Stückchen angehoben.

Die Botschaften der Jahres-Bilanzen

Ein eher verbiesterter Kohl präsentierte sich da, der wieder einmal krampfhaft die "Wende in der deutschen Politik" herbeibeschwor und den Kanzler in Grund und Boden stampfte – mit Worten.

In Haft

Faust war Anfang Dezember letzten Jahres auf Grund eines vom Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes erlassenen Haftbefehls wegen Verdachts "verfassungsfeindlicher Sabotage" festgesetzt worden.

Autonomie für die Basken

Spaniens Ministerpräsident Adolfo Suárez hat sich erneut als geschickter Taktiker erwiesen: In den letzten Stunden des Jahres 1977 genehmigte er den bereits ungeduldig wartenden drei Millionen Bewohnern des Baskenlandes ein vorläufiges Autonomie-Statut.

Stellvertreter-Krieg in Indochina?

Auf einer vierstündigen Pressekonferenz in Peking hatte zuvor der kambodschanische Botschafter den Vietnamesen vorgeworfen, seit September wiederholt von schwerer Artillerie gedeckte Vorstöße auf kambodschanisches Gebiet unternommen zu haben.

Spannungen Algier – Paris

Zur Zeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die amtliche algerische Tageszeitung El Mouajahid Frankreich übelster imperialistischer Sünden zeiht – meist sogar auf der Titelseite.

Ein Aufbruch in die Vergeblichkeit

Nach einem politischen Frühling sah es am 5. Januar 1968 in Prag nicht aus, auch wenn der Tag mit einer Sensation ausklang. Antonin Novotny, seit 1953 allmächtiger Chef der Tschechoslowakischen Kommunistischen Partei, wurde nach einer dreitägigen Marathonsitzung vom Zentralkomitee aus dem Amt gejagt.

Alles Böse kommt von Brüssel

Es gehört zu den Vorzügen der Europäischen Gemeinschaft, daß sie zumindest formal Gleichberechtigung walten läßt und auch den kleineren Ländern Verantwortung überträgt.

Köpfe sollen rollen

Bamberg hat seit einigen Monaten eine neue Attraktion. Der fassadenprächtige Straßenzug, der von der alten Rathauskirche über den Grünen Markt zum neuen Rathaus durch die Altstadt sich windet, wurde als Fußgängerzone hergerichtet.

Stirbt ein Idyll?

Im Hamburger Bezirk Niendorf läßt sich ein exemplarischer Konflikt zwischen Wohn- und Wirtschaftsinteressen anschaulich studieren.

Demonstration im Gestreiften

Kein Zweifel, das Bild bewirkt heftiges Unbehagen: Manfred Katz, 43 Jahre alt, angeklagt, etwa 4,8 Millionen Mark Steuern hinterzogen zu haben, ist vor der Großen Strafkammer 17 beim Hamburger Landgericht in KZ-Kleidung erschienen.

Zeitliches aus Hannover: Herz aus Beton

Hannover hat wieder eine Kröpcke-Uhr. Und als die gefühlige Melodie vom alten Försterhaus erklang, übertextet mit dem anbetenden "Du alte Kröpcke-Uhr", zuckte es in den Gesichtern der Hannoveraner.

Urteilsschelte unerwünscht

Wenn ein Journalist bei der Prozeßberichterstattung zu dem bewertenden Ergebnis kommt, es habe in dem Verfahren zwar Aussage gegen Aussage gestanden, das Gericht jedoch hätte "ein Hintertürchen für die Verurteilung" gefunden und nicht im Zweifel für den Angeklagten, sondern gegen ihn entschieden – wird durch eine solche Formulierung der Vorwurf der Rechtsbeugung erhoben? Mit dieser Frage muß sich jetzt die politische Abteilung der Frankfurter Staatsanwaltschaft abplagen.

US-Geheimdienst: Ein Agent klagt an

CIA-Chef Admiral Turner hat Probleme. CIA-Chef Turner selber ist ein Problem. Um mehr als achthundert langgediente Beamte, vorwiegend Spezialisten auf dem Gebiet geheimer Operationen im Ausland aus den Zeiten des Kalten Krieges und des Indochinakrieges, will er den Bestand von 16 000 Mann kürzen.

Dollar, Löhne, Zinsen...

Ein großes Börsenjahr wird 1978 nicht werden, Selbst Optimisten gehen über die Prognose meist nicht hinaus: Chancen und Risiken halten sich in etwa die Waage.

Die Brüsseler Zauberlehrlinge

In Brüssel fängt das neue Jahr gut an. Seit dem 1. Januar gilt ein System von Mindest-, Orientierungs- und Basispreisen für Stahlimporte aus Drittländern.

Verzichtet auf 300000 Dollar

Als Präsidentschaftskandidat hatte Jimmy Carter die Politik des Federal Reserve Board, des amerikanischen Zentralbankrats, als "unmenschlich" und "gegen die Interessen des Volkes gerichtet" kritisiert.

Milton Friedman:: Ein zweites Entebbe

Israels radikale wirtschaftspolitische Maßnahmen ... zeigen dieselbe Kombination von Kühnheit, Scharfblick und Mut wie der Sechstagekrieg oder die Geiselbefreiung in Entebbe.

Der Weg zum Paradies?

ZEIT: Herr Minister, als Ihre Partei vor einem halben Jahr an die Macht kam, war die Rede von einem politischen Notstand, und man nimmt an, daß das auch ein Grund dafür war, daß die Partei des rechten Zentrums die Wahlen gewann.

Phoenix aus der Asche

Streiken in diesen Tagen und Wochen Setzer und Drucker, so streiken sie letztlich auch wegen der Berthold AG in Berlin; denn dieses Unternehmen hat in Europa als erstes in Serie gebaut, was heute das technische Personal in Druckereien um seine berufliche Zukunft bangen läßt: Lichtsatzmaschinen, die den herkömmlichen Bleisatz ersetzen und, mit der Computertechnik kombiniert, zum Teil von Anlernkräften oder Sekretärinnen bedient werden können.

Das Geheimnis der roten Zahlen

Wenn es ums Geld geht, dann wird die Regierung in Paris nicht nur knausrig, sondern bisweilen auch auffallend schweigsam. Jeder weiß, daß Frankreich (wie die meisten anderen Länder) Schulden im Ausland hat.

Bei Kälte wird geschossen

schen Kampfpanzer Leopard nach dem Diebstahl eines Steuerungselements auftrat. schaffen die schweizerischen Eigenbaupanzer PZ 68 ganz allein.

Auf der Suche nach dem "dritten Weg"

Die Gewerkschaften des DGB arbeiten an ihrem dritten Grundsatzprogramm. Es soll eine Zusammenfassung der gewerkschaftlichen Ziele im Sinne eines "dritten Weges" enthalten.

Wenn sein starker Arm es will

Während in der Bundesrepublik der Lohnkampf nach dem Jahreswechsel erst so richtig losgeht und erst nach harten Auseinandersetzungen bekannt sein wird, was Eugen Loderers IG Metall von ihrer Acht-Prozent-Forderung durchsetzen kann und ob ÖTV-Chef Kluncker den öffentlichen Arbeitgebern wirklich 7,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt abtrotzen kann, wissen Österreichs Arbeitnehmer bereits, was ihnen das neue Jahr in der Lohntüte bringen wird: nicht viel.

Firmen und Fakten

Die Auflösung der deutschen Müller-Wipperfürth-Gruppe, die seit längerer Zeit mit ihrem Gründer, dem ehemaligen Hosenkönig gleichen Namens, nicht mehr verbunden war, sondern sich im Besitz der Hessischen Landesbank (HLB) befindet, steht bevor.

ZEIT spart Geld

Die Sparkassen stellen sich darauf ein, den Zins für Spareinlagen mit täglicher Kündigung (Spareckzins) spätestens am 1. Februar von 3 auf 2,5 Prozent zu senken.

Nicht zu den Akten

Haehser: Wer sich der vom Bund angebotenen Subventionen für diesen Bereich bedienen möchte, muß zunächst einmal Anträge ausfüllen.

ZEITRAFFER

Ins neue Jahr sollte man mit guten Vorsätzen gehen. Heinz Oskar Vetter, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, scheint diesem Grundsatz zu huldigen.

MANAGER UND MÄRKTE

Hermann Neuberger, Chef des weltgrößten Sportverbandes Deutscher Fußball-Bund, schrieb am 27. 12. 1977 dem "Lieben Herrn (Dettmar) Cramer" einen Brief.

Der Staat verdient mit

Ein Teil des Geldes geht immer an den Staat: Beim Kaul von Alkohol, Zigaretten oder Kaffee, beim Möbelkauf und beim Tanken. Die indirekten Steuern, die dem Bürger meist nicht so unangenehm auffallen wie die Lohn- und Einkommensteuer, machen immerhin mehr als vierzig Prozent der gesamten Steuereinnahmen aus.

Was kostet, was bringt die Rehabilitation?

Die Heidelberger Stiftung Rehabilitation hat trotz aller Bedenken, die berufliche Wiedereingliederung Behinderter unter Wirtschaftlichen Aspekten zu sehen, eine sogenannte "Kosten-Nutzen-Analyse" gemacht.

Nicht nur für Brot allein...

Von den Ärzten kommt so gut wie keine Meldung. Sie, die es eigentlich am ehesten erfahren und am leichtesten einschätzen können müßten, wenn ein behinderter Mensch für seinen Beruf untauglich geworden ist, tun sich offenbar schwer, ihren Patienten zur Rehabilitation zu raten.

Hollywoods letzter Abenteurer

Von Los Angeles aus fährt man auf einem Highway, der Interstate 10 heißt, zwei Stunden in südöstlicher Richtung, bis der Ort Palm Springs ziemlich unvermittelt aus der Wüste auftaucht.

Die Weißlacher

Das waren auch einmal Leben: "Damals wurden uns Hetzfilme gezeigt wie ‚Jud Süß‘... Die Filme wurden der Mannschaft gezeigt. Und wie haben die Häftlinge am nächsten Tage ausgesehen!" So, im Auschwitzprozeß, der ehemalige SS-Rottenführer Baretzki.

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