Von Wolfgang Hoffmann

Der Groll des ehemaligen Vorsitzenden der CDU-Sozialausschüsse, Hans Katzer, gegen seinen Nachfolger im Amt, Norbert Blüm, scheint verflogen. Von Spannungen zwischen alter und neuer Mannschaft bei der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft will Katzer nichts wissen: „Es ist alles in Ordnung.“ Auch Norbert Blüm ist offenbar nicht erpicht darauf, das Feuer zu schüren: „Familienangelegenheiten werden nicht auf dem Markt ausgetragen. Ich bin außerdem nicht für Gerüchte zuständig. Wir machen Politik wie bisher.“

Ob die Sozialausschüsse freilich weiter wie bisher Politik machen können, ist keineswegs so sicher, wie Blüm das nach außen darstellt. Die Welt der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft ist nämlich längst nicht so heil, wie sie sein sollte.Was Norbert Blüm und sein Schatzmeister Wolfgang Vogt auf Befragen so beharrlich verschweigen, ist nämlich ernst genug: Die CDU-Sozialausschüsse sitzen finanziell so ziemlich auf dem Trockenen.

Der Grund dafür liegt in der eigenwilligen Finanzkonstruktion zwischen CDU-Sozialausschüssen und der Jakob-Kaiser-Stiftung in Köln. Diese Stiftung, 1925 als Arbeiterwohl-Verein in Köln gegründet, ist nämlich seit dem Ende der NS-Herrschaft und der Gründung der CDU-Sozialausschüsse praktisch Finanzier der christlich-demokratischen Arbeitnehmerschaft gewesen. Die Sozialausschüsse residieren im Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter vor den Toren Bonns. Sie wohnen indes dort nur zu Miete. Das Haus gehört nämlich der Kaiser-Stiftung.

Und Elfriede Kaiser-Nebgen, Ehefrau von Jakob Kaiser, dem Nachkriegsmotor der Sozialausschüsse, betonte erst kürzlich: „Das Amt eines Vorsitzenden der Sozialausschüsse hatte nichts mit dem Besitz oder auch nur mit der Verwaltung des Hauses zu tun.“

In der Praxis hatte diese juristische Eigentumsbrödelei jedoch kaum eine nennenswerte Bedeutung. Nicht nur zur Zeit von Jakob Kaiser, sondern auch unter dem Sozialausschuß-Vorsitzenden Hans Katzer sind beide Institutionen als eine Einheit angesehen worden, zumal zwischen dem jeweiligen Vorsitzenden der Sozialausschüsse und dem Vorsitz in der Kaiser-Stiftung Personalunion bestand.

Diese enge Verbindung galt auch bei den Finanzen. Zwar wurden die bescheidenen Mitgliedseinnahmen der Sozialausschüsse aus steuerlichen Gründen getrennt verbucht, im übrigen aber lagen die Mittel – und die Verfügungsgewalt darüber – stets in einer Hand. Bildungs- und Schulungsarbeiten der Sozialausschüsse wurden ebenso von der Kaiser-Stiftung finanziert wie die CDA-Monatsschrift „Soziale Ordnung“. Die Stiftung war in der Regel auch die Spendenadresse des weitreichenden Freundeskreises der CDA. Dabei machte es kaum einen Unterschied, ob der Spender seine Gaben der Stiftung oder aber den Sozialausschüssen zugedacht hatte. Um so überraschender kam Anfang September die von der Stiftung herausgegebene Mitteilung, in der es mit barschem Unterton hieß, die Stiftung bestehe mit eigenständigem Auftrag lange vor Gründung der Sozialausschüsse der CDA.